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Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Sibylle Berg hat am Samstag, 9. März, den Kasseler Literaturpreis 2019 aus den Händen von Oberbürgermeister Christian Geselle erhalten. Die Schriftstellerin wird für den grotesk-komischen und aufklärerischen „Katastrophenschutz“ ihrer erfolgreichen Romane, Theaterstücke und Kolumnen geehrt. Die Laudatio auf Sibylle Berg hielt die Schauspielerin Katja Riemann. Die Preisverleihung fand im öffentlichen Rahmen im Kasseler Rathaus statt.

 

In seiner Begrüßung bezeichnete 0berbürgermeister Geselle die Preisträgerin als eine Streiterin für die Demokratie, eine Aufpasserin und eine Mahnerin. „Sie schreiben Bestseller-Romane, Theaterstücke, Kolumnen, Hörspiele, Songtexte und früher satirische Texte für die ZDF-Talkshow „Schulz und Böhmermann“ – oft frech, zynisch, aufrüttelnd, auf den Punkt, treffend, mintunter schmerzhaft.“

Zugleich wurde der Förderpreis Komische Literatur an den Roman- und Theaterautor Jakob Nolte für sein bisheriges Werk „zwischen schwarzer Phantasie und buntem Unsinn“ vergeben. Gelobt wurde er von Benjamin Vieth vom Verlag Matthes & Seitz Berlin, der seinen Vorschlag für den Förderpreis gegenüber gut vierzig weiteren Verlagen durchbrachte.

Sibylle Berg und Jakob Nolte lasen Kostproben aus ihren Werken. Für elektro-musikalische Zwischenspiele sorgte die Band KREIDLER (Thomas Klein, Alexander Paulick, Andreas Reihse, aus Düsseldorf und Berlin; KREIDLER haben mit Sibylle Berg zusammengearbeitet.

Kassel, so Oberbürgermeister Geselle, sei im deutschsprachigen Raum eine feste Größe für feinsinnigen Humor, für die Kultur des Komischen. Unter den deutschen Literaturpreisen habe der renommierte Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor sicher eine besondere Stellung wie auch das alle zwei Jahre stattfindende Festival Kasseler Komik-Kolloquium. Es wird im Jahr 2020 wieder stattfinden.

Sibylle Berg; © Joseph Strauch Sibylle Berg; Foto: Joseph Strauch

Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Begründung des Stiftungsrates

"Sibylle Berg schreibt klug und mit provozierendem Witz in ihren mit Komik getränkten Romanen, Theaterstücken und Kolumnen über desolate menschliche Existenzen in einer kapitalistisch dekadenten Welt.

In virtuos rhythmisierter Sprache will sie ihre Leser durch bitteres Lachen wachrütteln. Dabei kennt sie kein Erbarmen im satirisch-sarkastischen Kampf gegen saturierte Behäbigkeit. Das macht ihre Texte zu Meisterwerken der aufklärerischen Groteske. Der kluge lachende Leser weiß, dass er im Grunde über sich selbst lacht – und Sibylle Berg hört dennoch nicht auf, bevor es weh tut. Wie die Kritik zu Recht lobt, bietet Sibylle Berg ihrem Publikum auf diese Weise die Durchleuchtung der Katastrophe mit Röntgenblick – und das ist die erste Rettungsmaßnahme in Sibylle Bergs aktivem Katstrophenschutz."

Jakob Nolte; © Rachel Israela Jakob Nolte; Foto: Rachel Israela

Förderpreis komische Literatur

Begründung des Stiftungsrates

"Schwindelerregend komplex, virtuos und eigenwillig spielt Jakob Nolte in seinen Romanen und Theaterstücken mit Formen literarischer Gattungen und Formen der Komik, mit dem Schrecklichen und dem Witzigen, vor allem aber mit den Erwartungen seiner Leser.

Überraschend und verstörend verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und dreister Behauptung, zwischen schwarzer Phantasie und buntem Unsinn sind so durchlässig, dass die Orientierung oft verloren ginge, wäre da nicht fortwährend das Komische: Es drängt sich hinein in die Erzählung, mal groß, mal klein, mal schön, mal schaurig, auch entlarvend politisch, dabei niemals laut, sondern schleichend und oft genug verstörend und verwirrend. Jakob Nolte verflicht das Komische so ernsthaft mit dem Ernst, dass wir über unser Lachen nachdenken müssen und darüber fast melancholisch werden können: Doch Noltes Komik lässt uns seinem Wahnwitz nicht entkommen."

Statuette; © Stiftung Brückner-Kühner

Über den Literaturpreis

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht und erstmals 1985 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Sprachkünstlern (im ersten Jahrzehnt des Preises auch Literaturwissenschaftlern) zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischem Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet.

Folgende Personen erhielten die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F.W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch, Thomas Kapielski, Ulrich Holbein, Wilhelm Genazino, Dieter Hildebrandt, Frank Schulz, Wolf Haas, Karen Duve und zuletzt Eckard Henscheid..

Den mit 3000 € dotierten "Förderpreis komische Literatur erhielten bislang Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf, Jan Neumann, Tino Hanekamp, Wolfram Lotz, Arno Camenisch, Kirsten Fuchs, Ferdinand Schmalz und Dagmara Kraus.

Die Stiftung Brückner-Kühner
Die Stiftung wurde 1984 von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.

Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorinnen Friederike Emmerling (Frankfurt a.M.) und Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor und Kasseler Literaturpreisträger Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler und Autor Christian Maintz (Hamburg), der Literaturprofessor Dr. Uwe Wirth (Gießen), Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin, sowie einmalig der jeweilige Preisträger. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.
 

Weitere Informationen

Veröffentlicht am:   13. 03. 2019  

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