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Nochmalige Beratung über Standort für documenta-Institut

Bei der Stadtverordnetenversammlung am 9. Dezember 2019 war eine Beschlussfassung über eine Magistratsvorlage zum Standort des documenta-Instituts geplant. Im Verlauf der Sitzung ließ Oberbürgermeister Christian Geselle die Abstimmung über die Magistratsvorlage verschieben.

Christian Geselle; Oberbürgermeister der Stadt Kassel (SPD)

„Eine negative Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, des höchsten Gremiums der Stadt Kassel, zur Vorlage des Stadtbaurats Christof Nolda zum documenta-Institut wäre einer Katastrophe für uns als documenta Stadt gleichgekommen“, betont Oberbürgermeister Christian Geselle. Dies hätte bundesweit als Ablehnung des documenta-Instituts durch die Stadt gewertet werden können. Zudem hätte dies die Finanzierung des Projekts wegen eines drohenden Verfalls von Fördermitteln gefährdet. Man dürfe den Ruf der Stadt und der documenta nicht aufs Spiel setzen, deshalb sei eine nochmalige Beratung über den endgültigen Standort erforderlich. „Deshalb habe ich als Vorsitzender des Magistrats die Abstimmung über die Magistratsvorlage verschoben“, erläuterte Geselle.

Stadtbaurat Nolda: documenta-Institut ist wegweisendes Projekt für Kassel

Stadtbaurat Christof Nolda erklärt dazu: „Mit dem Neubau des documenta-Instituts hat die Stadt Kassel die schon seit langen Jahren beabsichtigte Chance, der documenta in der Stadt einen in besonderer Weise wahrnehmbaren Standort zu schaffen. Zugleich muss dieses besondere Projekt mit einem Wettbewerb in einem überschaubaren Zeitrahmen umsetzbar sein. Dies ist nicht zuletzt eine Vorgabe der Fördermittelgeber von Bund und Land. Die Zeit drängt.

Stadtbaurat Christof Nolda

Grundvoraussetzung für eine Realisierung des documenta-Instituts ist die Festlegung des Standortes. In der Stadtverordnetenversammlung wurde diese große Chance, den richtigen Standort politisch abzusichern, nicht ergriffen. Es gilt nun einen Entscheidungsprozess in der gebotenen kurzen Zeit und einer inhaltlichen Diskussion erneut anzustoßen. Nur wer entscheidet, ist in der Lage, dieses für Kassel wegweisende Projekt zu realisieren.

Die Diskussion über den Standort hat viel Zuspruch insbesondere für den Parkplatz am Karlsplatz erfahren. Insbesondere die umfängliche Abstimmung mit den Nutzern und Projektbeteiligten hat zu diesem Standort eine eindeutige und überaus positive Bewertung ergeben. Der Standort wurde mehrfach diskutiert: bei von Diskussionen über das documenta-Institut auf Einladung des documenta Forums, bei einer Vorstellung für die Anlieger, bei einer Vorstellung bei den City-Kaufleuten und einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung organisiert durch den Magistrat am 15. November 2019.“

Stadträtin Susanne Völker

Kulturdezernentin Völker: documenta-Institut verdient prominenten Standort

Kulturdezernentin Susanne Völker äußert sich wie folgt: „Das Vorhaben, in Kassel ein documenta-Institut zu errichten, genießt über alle Parteigrenzen hinweg und stadtweit große Zustimmung. Dies wurde auch in den zahlreichen öffentlichen Diskussionen zu dem Thema deutlich. Verhandlungen zwischen Stadt, documenta gGmbH, der Universität Kassel, dem Land und dem Bund sind unter der Moderation der Stadt Kassel weit vorangeschritten und spiegeln dieses breite Einverständnis ebenfalls wieder. So konnte mit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom November 2018 die Finanzierung für den Neubau und späteren Betrieb des Instituts vereinbart werden. Ebenso konnte die Raumplanung für die verschiedenen Nutzungen, die unter dem Dach des documenta-Instituts versammelt werden sollen, abgeschlossen werden.

Damit ist die Vorbereitungsphase, in der die Beteiligten Partner die gemeinsamen Ziele, Aufgaben und die Grundlagen für eine Finanzierung geschaffen wurden, abgeschlossen, und wir stehen jetzt am Anfang der Entstehungsphase. Hier wird es ebenso um den Architekturwettbewerb gehen, wie um die inhaltliche Ausdifferenzierung, die Aufnahme der Forschungstätigkeit, die Entwicklung eines Vermittlungskonzepts sowie die weitere Erschließung des Archivguts. Allerdings ist die Festlegung eines Standorts durch die Stadt Kassel grundlegende Bedingung für diese nächsten Schritte. Diese sich gegenseitig bedingenden und beeinflussenden Prozesse wurden auch in Rahmen zahlreicher öffentlicher Veranstaltungen immer wieder transparent gemacht. Allein im Kulturausschuss sind insgesamt 17 Anfragen und Anträge seit 2017 zum documenta-Institut beantwortet worden.

Die Entscheidung für einen Standort und die entsprechenden Gespräche, die nach der gestrigen Vertagung notwendig sind, sollten daher die verschiedenen Anforderungen an das documenta-Institut zu einer gemeinsamen Lösung weiter zusammenführen und berücksichtigen, dass mit dem documenta-Institut etwas weltweit Einzigartiges geschaffen wird, das diesen prominenten Standort verdient.

Hintergrund zur Standortuntersuchung für das documenta-Institut

Kassel hat eine Vielzahl von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich Gedanken machen um die Weiterentwicklung der Stadt. Es ist selbstverständlich, dass diese Menschen über Diskussionen, über besondere Beteiligungsprozesse eine Chance haben, an diesen Vorhaben nicht nur teilzuhaben, sondern auch mitzubestimmen. Über neue Möglichkeiten im Wettbewerbsrecht ist die Stadt Kassel in der Lage, eine Beteiligung auch im Wettbewerbsverfahren zu integrieren. Beim Wettbewerb für den Brüder-Grimm-Platz ist die Stadt Kassel mit einem Beirat unter Teilnahme von Anliegern, Fachleuten und auch den politischen Vertretern den ersten Schritt in diese Richtung gegangen. Dasselbe Verfahren wird auch den Wettbewerb für das documenta-Institut begleiten.

Der Karlsplatz hat gegenüber vielen in der Untersuchung betrachteten Orten erhebliche Vorteile. Das Grundstück ist groß genug, um hier mit Freiflächen ein Gebäude zu erstellen, das sich an die umliegenden Dimensionen anpasst. Eine Überhöhung zu der umliegenden Bebauung ist aus dem geforderten Raumprogramm nicht zu befürchten. Das Grundstück ist sofort verfügbar und die öffentliche Diskussion hat deutlich gezeigt, dass die derzeitige Nutzung als Parkplatz – mit Ausnahme von geringen Anzahlen von Kurzzeitparkplätzen, was auch mit Bebauung gewährleistet ist – obsolet ist.

Die im Wettbewerb zu fordernde Architekturqualität hat hier die Chance, von allen Seiten auch aus den Straßenfluchten wahrgenommen zu werden. Die Lage ist einzigartig – mitten in der Stadt und in unmittelbarer Nähe zu Friedrichsplatz und Fridericianum und in Anlehnung an die Historie, einen kleingliedrigen Stadtbereich gestalten zu können.

Alle anderen untersuchten und präferierten Standorte sind entweder in ungeklärtem städtebaulichen Kontext – wie im Bereich des Ottoneums – und damit in keiner Weise in der Lage mit dem Gebäude einen neu gestalteten Stadtbereich allein durch den Neubau des documenta-Instituts zu gewährleisten. Selbst der Standort Wilhelmshöher Allee 2-4 bietet lediglich einen Standort als Gebäude in der Reihe, der sich zudem wegen der Bedeutung der Torhäuser diesen unterordnen muss.

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