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Moderne für Jedermann – Kunst und Ware im Jugendstil

Die Sonderausstellung in der Neuen Galerie geht auch der Frage nach, warum dieser Stil bis heute so sinnbildlich ist, dass viele ihn auf Anhieb als »Jugendstil« benennen können, obwohl die Blütezeit der Bewegungen nur kurz war.

Sonderausstellung bis zum 13. September 2020

Der Jugendstil hatte den Anspruch, die gesamte menschliche Lebensumwelt künstlerisch zu gestalten, idealerweise von der Architektur bis zum Haushaltsgegenstand, um so eine Ästhetisierung des Alltags herbeizuführen. In der Ausstellung wird aber auch deutlich, dass die Popularität des Stils und die daraus resultierende Massenproduktion zu einem Ausverkauf der Idee und somit zu ihrem frühen Niedergang geführt haben.

Besteckschrank für Henry van de Velde

Frühe Reformbewegung der Moderne

Der Jugendstil kann als frühe funktionale Gestaltungsform verstanden werden: Gestaltungsaufgaben werden individuell gelöst, je nach der Funktion der Gegenstände, wobei die Künstler sich eines bestimmten, von der Natur inspirierten Formenrepertoires bedienten. Blumen- und Blütenmotive, Schwäne und geschwungene Körperformen sind wiederkehrende Motive. Daneben entwickelte sich eine Gestaltungssprache mit abstrakten Formen, die von sogenannten »Kraftlinien« (Henry van de Velde) bestimmt sind. Vor allem im österreichischen Sezessionsstil gibt es zudem strenge geometrische Ausformungen. 

Silbernes Essbesteck für Café Fledermaus, Rundes Modell

Der Weg zur modernen Formgestaltung

Ursprünglich als Gegenbewegung junger Kunstschaffender zum als rückwärtsgewandt empfundenen Historismus und zur seelenlosen Industrialisierung gedacht, war der Jugendstil durch den Widerspruch zwischen den künstlerischen, zum Teil sogar elitären Ansätzen und der populären Adaption für Konsumgüter geprägt. Er war eine von zahlreichen internationalen Reformbewegungen in Europa und Nordamerika, die zwar unterschiedliche Ausprägungen aufweisen, aber in engen Wechselwirkungen miteinander stehen. Der Jugendstil weist den Weg zur modernen Formgestaltung und ist dabei voller Spannungen und Gegensätze, die ihn bis heute so interessant und anregend machen.

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