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Der Hauptbahnhof

Hauptbahnhof, 20 er Jahre, Geschenk von C. Kohl.jpg

Planung und Lob
Fortschrittlich war es schon für die damalige Zeit, den neuen Bahnhof als Gemeinschaftsbahnhof der beteiligten Eisenbahngesellschaften durch die Kurfürstliche Regierung planen zu lassen.

"Cassel" erhielt damit einen der ersten "Hauptbahnhöfe" in Deutschland überhaupt und entwickelte sich früh zum bedeutenden Eisenbahnknoten- und Verwaltungsmittelpunkt.

Hauptbahnhof, Luftaufnahme Junkers 1929

Erst 1852 begannen dann die endgültigen Arbeiten auf dem heutigen Gelände nach einem Entwurf Gottlob Engelhards.

Der Kasseler Hauptbahnhof wurde 1856 am heutigen Standort vollendet. Vor dem Baubeginn standen vier verschiedene Varianten für den Standort zur Diskussion:
1. Standort wie heute
2. Standort am Möncheberg (zwei Varianten)
3. Standort im Auefeld in der Nähe des Holländischen Tores (günstig für das Militär)

Hauptbahnhof, 1929, Querbahnsteig mit Stempelautomat, Kassenhaeuschen rechts

Kritik und der Querbahnsteig
Die Kritiker monierten die Lage des Bahnhofs in einem Berghang des Tannenwäldchens, dessen Planierung einen wesentlichen Faktor der Baukosten ausgemacht hatte. Ferner wurden als Unbequemlichkeit die langen Wege für die umsteigenden Reisenden erkannt. Der Bahnhof lag damals außerhalb des Stadtzentrums.

Im Gebäude selbst war bis 1920 der Querbahnsteig in die Bahnsteigsperren mit einbezogen. Erst danach wurden die Sperren vor die Bahnsteige verlegt. Heute ist der Bahnsteigbereich gegenüber dem Querbahnsteig durch eine Glaswand abgetrennt.

Innenleben des Hauptbahnhofs, Repro 1999, Original von Carl Ebert

Zahlen aus der Statistik
1913: Im Jahr werden 1.756.468 Fahrkarten verkauft. Das entspricht 4812 Karten pro Tag. Auf der Ladestraße wurden jährlich 14.700 Wagenladungen bearbeitet.
1927: Die eigenständige Dienststelle "Fahrkartenausgabe" verkauft jährlich 2.535.127 Stück. Das entpricht 6945 Karten pro Tag.
1931: Im Jahr werden nur noch 1.725.688 Fahrkarten verkauft und 6700 Wagenladungen bearbeitet.
1932: Der Hauptbahnhof hat neben dem Bahnhofsoberinspektor als Dienstvorsteher weitere 313 Beschäftigte.

Hauptbahnhof, Front, 1935 mit Straßenbahn( Herkunft unbekannt )

Umbau und Postversorgung
Nach den Umbauten von 1890 folgten weitere Arbeiten von 1911 bis 1913 nach Entwürfen des Regierungs- und Baurates Petri.

Die Gleisanlagen konnten nur nach Norden erweitert werden. Daher mussten die Gebäude der Nordseite abgerissen werden, an deren Stelle der Nordostflügel an das Empfangsgebäude angefügt wurde.

Nicht zu vergessen ist, dass auf der Südseite eine Überlademöglichkeit der verwundeten Soldaten aus dem Weltkrieg auf die Straßenbahn geschaffen wurde. Später wurde hier die Post auf die Kasseler Straßenbahn umgeladen, die an der Postversorgung der Stadtbezirke beteiligt war.

Hauptbahnhof 1939

Der Bahnhofsvorplatz
Seit dem Jahr 1920 standen auf dem Vorplatz des Bahnhofs große Bäume, die zur Verschönerung des Bahnhofs beitrugen.

Die Straßenbahn fuhr nur einige Meter am Bahnhof vorbei. Dadurch wurde den Reisenden und Bahnhofsbesuchern die Fahrt zur Innenstadt erleichtert.

Hauptbahnhof, Nationalsozialistische Zeit (Herkunft unbekannt)

Vielseitigkeit des Hauptbahnhofs
Während des 2. Weltkrieges wurden die verwundeten Soldaten vom Bahnhof in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Dazu wurde auf der Südseite eine Überlademöglichkeit geschaffen, durch die die Soldaten per Straßenbahn versorgt werden konnten.

Der Bahnhof hatte also nicht nur die Aufgabe Passagiere in die umliegenden Städte zu bringen, sondern auch für die verwundeten deutschen Soldaten zu sorgen. Am 22. Oktober 1943 wurde der Hauptbahnhof durch einen Bombenangriff zu 75% zerstört. Nur der Nordflügel blieb unbeschädigt.

Innere Halle, 1939, (Herkunft unbekannt)

Das Empfangsgebäude
Am 22. Oktober 1943 wurde das Empfangsgebäude komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut. Das Foto zeigt die große Empfangshalle vor dem Bombenangriff.

Von 1954 bis 1961 wurde eine neue Empfangshalle gebaut.

Sitzungssaal des Hauptbahnhofs, vom 24.1942, RBD Lichtbildstelle, Repro 1999

Der Sitzungssaal
Die nach der Zerstörung noch vorhandenen Restbauwerke auf der Südseite wurden zum Teil abgerissen oder wieder aufgebaut.

In dem heute unter Denkmalschutz stehenden Südflügel befanden sich zu der Zeit ein Sitzungssaal und die Wohnung des Vorstehers.

Nach dem Krieg wurde in dem Südflügel die Bahnpolizeiwache, die Betriebsküche und das Brief-, und Paketverladezentrum der Post untergebracht.


Quellen

  • Bahnhofsdienstanweisungen von 1916 und 1932
  • Berger, Manfred: Historische Bahnhofsbauten, TRANSPRESS VEB VERLAG für Verkehrswesen Berlin 1988, Band III
  • Private Aufzeichnungen und Erinnerungen von Walter Dörsch und Harald Dölle

Veröffentlicht am:   28. 11. 2008  


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