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Hintergrundinformationen zum Ehrenmal für die Opfer des Faschismus/ Fürstengarten

Das Mahnmal wurde mit der Widmung „Den Vernichteten“ in Kassel für die Opfer des Faschismus erbaut. Es soll diejenigen Kasseler Bürger ehren, die aus politischen, religiösen und rassistischen Gründen verfolgt wurden; insbesondere die KZ-Insassen, Bombenopfer und Soldaten, die gegen Gewalt und Diktatur für die Demokratie und den Frieden kämpften. „Das Denk- und Mahnmal soll in seiner gegenständlichen Erscheinung ein Sinnbild für die innere heroische Haltung der Widerstandskämpfer sein.“ (Zitat aus der Präambel der Ausschreibung des Wettbewerbes für ein Denk- und Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Kassel).

Der Errichter des Ehrenmals ist Herr Prof. Hans Sautter. Er hat den damaligen ausgeschriebenen Wettbewerb der Stadt Kassel gewonnen; am 02.12.1953 fand die Eröffnungsfeier statt.

Zum Schutz vor Verunreinigung und Vandalismus ist das Denkmal abgeschlossen. Der Schlüssel ist beim Kundenservice des Rathauses oder beim Hausmeister des Brüder-Grimm-Museums an der Schönen Aussicht erhältlich.

Unsere Interpretation des Ehrenmals für die Opfer des Faschismus/Fürstengarten

Dieser Platz soll die Menschen der damaligen Zeit und der heutigen Zeit dazu anregen, sich Gedanken über die Opfer des Naziregimes zu machen.

Der Zugang zum Denkmal wird von zwei großen, kräftigen Figuren flankiert. Die Gestalt links vom Eingang symbolisiert die Hoffnung und soll auf eine bessere Zukunft hinweisen. Sie könnte auch das Gefühl der Befreiten und Besiegten darstellen, die mit Neuaufbau und Aufklärungsarbeit einen Neuanfang bereiten. Mit der Hoffnung sind auch die Menschen der Zukunft gemeint, die Schlüsse aus der Geschichte ziehen und aus ihr lernen.

Die rechte Figur steht hingegen für die Trauer um die Opfer und die Toten des Nationalsozialismus. Also für alle Menschen: die Gefallenen im Krieg (Soldaten, Zivilbevölkerung in Deutschland und in den Kampfgebieten), die Zwangsarbeiter, die Widerstandskämpfer und die Verfolgten. Dass alle Opfer der NS-Zeit gemeint sind, wird dem Besucher auch durch die über dem Eingang angebrachten Worte „Den Vernichteten“ deutlich.

Zudem sind die Worte über dem Tor: „Den Vernichteten 1933-45“ und „Die Lebenden rufe ich - die Toten beklage ich“ Worte, die die zukünftigen Generationen aufrütteln sollen. Denn die Lebenden sollen verhindern, dass sich ein derartiges Unrecht, (Unterdrückung, Morde und Ausbeutung) wie sie es sich in der NS-Zeit vollzog, nicht mehr wiederholt. Mit dem Ausspruch „die Toten beklage ich“ soll an die Menschen erinnert werden, die für Freiheit gekämpft haben. Also Widerstandskämpfer in allen Formen und – unserer Meinung nach - auch die Menschen, die keine Möglichkeit hatten, Widerstand zu leisten (z.B. KZ-Insassen).

Nachdem man einen kleinen Vorplatz durchschritten hat, gelangt man zu einer Art Ruhestätte. Hier stehen auf der Innenseite der Mauer weitere Sprüche: „Seele Seele vergiss sie nicht, Seele vergiss nicht die Toten“.

Auch dieses Zitat von Hebbel soll den Betrachter aufrufen, die Ermordeten und die Unterdrückten nicht zu vergessen oder die Geschichte vielleicht zu beschönigen. Sowie es die politisch rechts gesinnten Menschen heute immer noch tun (Stichwort „Ausschwitzlüge“). Die Menschen sollen sich von solchen Reden nie mehr beeinflussen lassen. Der oben angeführte Spruch steht über dem Tor, das hinaus führt. Er soll den Besucher, der das Denkmal verlässt, noch einmal darauf hinweisen, dass er seine Gedanken, die er sich in dieser Gedenkstätte gemacht hat, nicht vergessen soll. Es ist also ein Satz, der mit auf den Weg gegeben wird und vielleicht zur Verbreitung seiner Gedanken dienen soll, indem er mit anderen Menschen darüber redet und diskutiert.

Gegenüber dem Zitat von Hebbel steht ein Satz von Hölderlin: „Der Tod erschreckte uns – er war fürchterlich – wir sahen nur nieder ins Grab – obgleich er uns zur Vollendung führt – aus den Hüllen der Nacht hinüber – in der Erkenntnisse Land“.

Dieser Spruch hat etwas Biblisches. Er klingt wie ein Vers aus der Heiligen Schrift. Denn der Tod von Jesus Christus erschreckte seine Anhänger und seinen Verräter Judas; motivierte sie aber auch gleichzeitig, die Religion weiterzuführen und die Lehre zu verbreiten.

Man könnte den Abschnitt „aus den Hüllen der Nacht hinüber – in der Erkenntnisse Land“ also als Motivation ansehen, um zukünftige Generationen in der ganzen Welt über die Geschehnisse in der Nazizeit aufzuklären. Zudem kann man mit diesem Spruch auch die Vergebung der Taten jener Menschen hineininterpretieren, die sich von dem „Glanz“ der Nationalsozialisten haben leiten lassen. Denn viele haben erst „Erkenntnis“ erlangt, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war und ihnen die Wahrheit deutlich vor Augen geführt wurde. Denn der Nationalsozialismus war eine Welt aus Schein und Betrug. Die wahren Tatsachen und Gegebenheiten wurden von der Propaganda verfälscht und dazu benutzt, die Deutschen zum Krieg bereit zu machen und sich blind dem Naziregime zu unterwerfen.

Das im Zitat genannte Grab würden wir als ein symbolisches Begräbnis ansehen, in dem die Vergangenheit und die Schande begraben wird. Allerdings nicht in Vergessenheit geraten darf. Um das zu erreichen, werden Denkmäler errichtet. Sie sollen die Menschen auf der ganzen Welt zu jeder Zeit daran erinnern, was unter einer solchen Diktatur passierte.

 

Der Dornenkranz soll auch wieder einen biblischen Bezug herstellen. Denn Jesus Christus trug einen solchen Kranz auf dem Kopf, als er auf dem Weg zu seiner Kreuzigung war und als er ans Kreuz genagelt wurde. Der Dornenkranz könnte die Nazis symbolisieren, die Menschen umgebracht haben, die anderen Glaubens waren oder anders dachten. So wie man Jesus umbringen ließ, weil er einen anderen Glauben hatte und weil man Angst hatte, Jesus könnte die „Mächtigen“ aus ihrer Position stürzen. Die Dornen sind lang und spitz, so wie die Nationalsozialisten ihre Dornen hatten, um Menschen, Kulturen und Religionen zu vernichten: durch Krieg, durch Verurteilungen, durch Kontrolle der Gestapo sowie durch Vernichtungs- und Zwangsarbeiterlager. Auch durchbohren die Dornen den Kopf des Trägers, was vielleicht auf die Propaganda hinweist, die die Menschen in ihrem TUN und SEIN beeinflusste. Vielleicht könnte der Dornenkranz auch ein Zeichen sein, wie der Judenstern. Er zeigt allen Menschen, das ist ein „Bestrafter“. Denn auch bei Jesus hat man durch den Kranz gesehen: „Der ist zum Tode verurteilt“, nur weil er sich nicht von seinem Glauben abbringen ließ.

Veröffentlicht am:   16. 05. 2017  


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