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Malwida von Meysenbug (1816 - 1903)

Meysenbug Malwida; © Archiv der deutschen Frauenbewegung - Stiftung

"Noch sah ich meinen Weg nicht klar, wusste noch nicht, wie ich verwirklichen sollte, was sich in meinen Gedanken bewegte, aber ich fühlte, dass das Ziel meines Lebens hinfort sein werde, an der Emanzipation der Frauen von den engen Grenzen, welche die Gesellschaft ihrer Entwicklung gesteckt hat, und von den Kleinlichkeiten und der Unwissenheit, welche die Folgen davon waren, arbeiten zu helfen." Malwida von Meysenbug, 1905


Schriftstellerin – Demokratin – Kasselerin

Die 1816 geborene Schriftstellerin war durch ihren Vater Philippe Rivalier de Meysenbug, Minister am kurfürstlichen Hof, hugenottischen Ursprungs. Nur die ersten 15 Jahre ihres Lebens verbrachte Malwida von Meysenbug in Kassel, denn 1831 mit dem Inkrafttreten der kurhessischen Verfassung verließ ihre Familie mit dem abgedankten Kurfürst die Stadt. Prägend für Malwida von Meysenbug waren die Detmolder Jahre, speziell durch die intensive Beziehung zu dem Theologen Theodor Althaus, ihrer großen, unerfüllten Liebe, dessen radikale politische und soziale Ansichten sie stark beeinflussten und für ihn soweit gingen, dass er der Kirche den Rücken kehrte. Malwida von Meysenbug riskierte den Bruch mit ihrer Familie, als sie nach Hamburg an die neugegründete Frauenhochschule ging und sich der Freien Gemeinde anschloss. Längst schon hatte sie erkannt, nicht zuletzt durch ihr eigenes Bildungsdefizit, das der üblichen rudimentären Unterweisung der höheren Töchter geschuldet war, dass Bildung und damit verbunden die Möglichkeit ökonomischer Unabhängigkeit es den Frauen erlauben würde, jenseits von Familie und Ehe neue, eigenständige Wege einzuschlagen. – Die Idee einer Frauenhochschule, 1850 unerhört revolutionär, ging zurück auf Johanna und Karl Fröbel, die dann auch als Leiter der Hochschule und Vorsteherin des zugehörigen Pensionats eingestellt wurden. Unterrichtet wurden Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaften, Sprachen und Kunst durch renommierte Wissenschaftler. Der angegli ederte Kindergarten wurde von Friedrich Fröbel geleitet, der auch Kindergärtnerinnen ausbildete. Die Schülerinnen der Hochschule kamen aus allen sozialen Schichten und repräsentierten alle Altersgruppen. Da der Druck der Reaktion im Laufe der Zeit zu stark wurde, löste die Frauenhochschule sich 1852 selbst auf.

Malwida von Meysenbug arbeitete in Berlin als Journalistin und pflegte ihre demokratischen Kontakte. Mit den Idealen der 1848-Revolution hatte sie sympathisiert, es sogar geschafft, verborgen hinter einem Vorhang in der Frankfurter Paulskirche anwesend zu sein. Nachdem sie Opfer einer Hausdurchsuchung geworden, festgenommen und verhört worden war, ging sie 1852 ins Exil nach England, um einer möglichen Verhaftung zu entgehen. London war damals Angelpunkt der demokratisch-revolutionären Kräfte aus ganz Europa. Malwida von Meysenbug schlug sich mit Stundengeben durch und arbeitete journalistisch für die Emigranten-Presse. Drei Jahre lebte sie im Hause des russischen Sozialrevolutionärs und Publizisten Alexander Herzen als Erzieherin der beiden Töchter und führte das Haus, bis Unstimmigkeiten zwischen Herzen und ihr sie zum Auszug zwangen. Das Zerwürfnis konnte insoweit beigelegt werden, dass Herzen ihr die Erziehung seiner jüngeren Tochter Olga übertrug. Ihr Wunsch einer Eheschließung mit Herzen sollte sich jedoch nicht erfüllen.

Malwida von Meysenbug lebte mit Olga in Paris, Bayreuth und Italien, hauptsächlich in Rom, wo sie 1903 starb. Bekannt wurde sie durch ihre erstmals 1869 anonym auf Französisch erschienenen autobiographischen "Memoiren einer Idealistin", die bis heute immer wieder aufgelegt werden. Ihre zahlreichen Romane, Novellen und Erzählungen sind daneben eher in Vergessenheit geraten. Was Malwida von Meysenbug in den verschiedensten Zusammenhängen bis heute Aufmerksamkeit sichert, waren ihre vielfältigen Kontakte und freundschaftlichen Verbindungen zu Menschen wie Richard Wagner, Romain Rolland, Lou Andreas-Salomé oder Friedrich Nietzsche.

Die in Kassel in den 1980er Jahren gegründete und hier ansässige Malwida-von-Meysenbug-Gesellschaft ist bestrebt, durch Publikationen und Veranstaltungen Malwida von Meysenbug in lebendiger Erinnerung zu halten. Die Kasseler Heinrich-Schütz-Schule trug zwischen 1930 und 1940 ihren Namen, bis die Nationalsozialisten, für deren Ideologie Malwida von Meysenbug als emanzipierte und demokratisch gesinnte Frau untragbar war, die Schule umbenannten.

Astrid Otto

Veröffentlicht am:   18. 12. 2013  


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