www.kassel.de
Logo: Stadt Kassel

Elisabeth Knipping (1869 - 1951)

Knipping-elisabeth; © Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung Kassel

„Sie hat die Kasseler Anstalt (die heutige Elisabeth-Knipping-Schule) zu einer vorbildlichen Einrichtung des Frauenbildungsvereins entwickelt, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt wurde.

Tausende von jungen Menschen haben in dieser Schule ihre Ausbildung für einen technischen, hauswirtschaftlichen oder den Lehrerinnenberuf erhalten. So wirkte sie mit reichem Segen tief in das öffentliche Leben hinein.

Sie wird in der Geschichte der Mädchenbildung der Stadt Kassel unvergessen bleiben.“

Aus dem städtischen Nachruf, 1951


Von der Schulsekretärin zur Direktorin

Elisabeth Knipping wurde im Jahr der Gründung des Casseler Frauenbildungsvereins geboren – jenes Vereins, dessen bedeutendste Einrichtung heute ihren Namen trägt. Sie stammte aus einer gutbürgerlichen, evangelischen Familie in Marburg a.d. Lahn, ihr Vater war der kgl. Baurat Johann Georg Ferdinand Knipping, ihre Mutter Marie Albertine Marianne Rosalie Knipping, geb. Wiederhold. Sie hatte zwei Geschwister, mit ihrer Schwester Anna lebte sie später in Kassel zusammen.

Elisabeth Knipping absolvierte nach dem Volksschulbesuch Handelsschulkurse und arbeitete für einige Jahre als Sekretärin im Büro ihres Vaters. Nach mehreren Ortswechseln mit ihrer Familie kam sie nach Kassel. Im Alter von 31 Jahre trat sie hier 1900 die Stelle als Schulsekretärin „an den vom Frauenbildungsverein geleiteten Schulanstalten“ (so ist einem Lebenslauf in der Personalakte zu entnehmen) an. Diese Schulanstalten bestanden aus einer Hauswirtschafts- und Handelsschule mit angeschlossener Lehrerinnenbildungsanstalt, an der Hauswirtschafts-, Handarbeits- und Turnlehrerinnen ausgebildet wurden.

Die damalige Leiterin der Schule, Auguste Förster (1848-1926), wurde schnell zu Elisabeth Knippings Mentorin und ermutigte sie, an Kursen zur Weiterbildung teilzunehmen. „Es war der Wunsch von Frl. Förster, mich zu ihrer Mitarbeiterin heranzuziehen", schreibt Elisabeth Knipping im oben erwähnten Lebenslauf. Der Plan gelang. Elisabeth Knipping wurde bald Gewerbelehrerin und übernahm bereits 1904 die Leitung der Handelsschule. 1912 wurde sie Leiterin aller Schulen und blieb dies auch, nachdem die Schulen nach der Auflösung des Vereins 1920 in die Trägerschaft der Stadt Kassel übergegangen waren.

In der Weimarer Republik war Elisabeth Knipping darüber hinaus politisch aktiv, sie engagierte sich in der Deutschen Demokratischen Partei. Bei den ersten Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1919, an denen Frauen teilnehmen konnten, kandidierte sie für die liberale Partei. Da sie nur auf einen hinteren Listenplatz aufgestellt worden war, konnte sie nicht – wie drei ihrer Parteikolleginnen – in das Stadtparlament einziehen.

1933 gab Elisabeth Knipping aus gesundheitlichen Gründen – sie war herzkrank und hatte bereits häufige Sanatoriumsaufenthalte hinter sich – die berufliche und auch die politische Betätigung auf. Wie alle, die im Staatsdienst tätig gewesen waren, unterschrieb sie, wie ihrer Personalakte zu entnehmen ist, eine Erklärung, dass sie „weder zur kommunistischen Partei noch zur sozialdemokratischen Partei und deren Hilfs- und Ersatzorganisationen irgendwelche Beziehungen“ unterhält und sich auch „in Zukunft nicht im marxistischen Sinne betätigen“ wird.

In einer Veröffentlichung der Schule zum 125jährigem Bestehen im Jahr 1995 ist zu lesen, Elisabeth Knipping sei verbittert darüber gewesen, „angesichts der dramatischen Entwicklungen und Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Realitäten im Deutschen Reich in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht mehr für die Schule und deren Anliegen tätig sein zu können“. Selbst ohne diese politischen Belastungen ist leicht vorstellbar, dass eine aktive Frau wie Elisabeth Knipping nicht gut für einen „Ruhe“stand geeignet war und für „alternative“ Tätigkeiten fand sie wohl keinen Raum. Auch dürfte ihr die Kraft gefehlt haben, sich dem nationalsozialistischen Regime, dass sie verurteilte, entgegenzustellen.

Elisabeth Knipping starb 1951, fünf Jahre später erhielt die Schule auf Anregung des LehrerInnenkollegiums ihren Namen. Heute vereint sie unter ihrem Dach eine Vielzahl verschiedener Schulformen aus dem hauswirtschaftlichen, gastronomischen und sozialen Bereich.

Von Elisabeth Knipping sind außer der genannten Personalakte und einigen Zeitungsartikeln keine Materialien erhalten geblieben, die uns über das eindrucksvolle Leben dieser Kasselerin heute noch Auskunft geben können.

Cornelia Wenzel

Veröffentlicht am:   18. 12. 2013  


Service

Social Media

Sprachen

  • english
  • flag france
  • flag italy
  • flag spain
  • russian
  • turkey
  • flag japan
  • flag china
  • flag arabic