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Ankäufe für die Artothek durch die
Kasseler Kunstpreis - Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung


Ein Text von Doris Krininger

Neben der Vergabe des jährlichen Kunstpreises definieren die Statuten der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung mit Ankäufen von Kunstwerken einen weiteren entscheidenden Verwendungszweck. Gerade für Kassel haben sich damit wichtige Fördermöglichkeiten eröffnet. Galerien und ein dazugehöriger Markt sind hier rar, was wiederum künstlerische Arbeits- und Lebensbedingungen generell erschwert. Stiftungsmittel werden selbstverständlich diese Situation niemals kompensieren, stellen aber immer eine jeweils individuell geschätzte Unterstützung dar.

Künstlerinnen und Künstler können sich nach den üblichen Modalitäten bewerben, auch wenn bereits die vorgeschriebene Altersgrenze von 30 Jahren überschritten wurde. Doch die angekauften Werke erfahren darüber hinaus noch eine besondere Öffentlichkeit und Veröffentlichung. Sie gehen in den Bestand der Kasseler Artothek über und stehen temporär befristet jedem Kunstinteressierten gegen eine geringe Leihgebühr zur persönlichen Verfügung.
Das Ankaufsvolumen beläuft sich derzeit auf 68 Werke von insgesamt 35 KünstlerInnen.

10 Jahre Ankauf hinterlassen nicht nur einen qualitativ üppigen Fundus, sondern schreiben selbst einen Beitrag aktueller Kasseler Kunstgeschichte. Spartendeckend sind alle relevanten Genres vertreten: Malerei, (Klein-)Skulpturen und Objekte, Fotografie und Grafik. Die Sammlung zeichnet sich vor allem durch experimentellen und expansiven Umgang mit den klassischen Medien aus. Malerei passiert nicht nur auf der Leinwand, sondern findet ebenso auf Metall und Fotopapier statt, erstellt sich über Öl und Acryl gleichermaßen wie über Grafit und Wachs. Ob gerakelt oder pastos aufgetragen, collagiert oder imitierend lasiert, ein breites Spektrum von Gegenständlichkeit bis hin zu differenzierten Varianten ihrer Abstraktion ist gegeben. Fotografie präsentiert sich in den Bereichen der künstlerisch exakten Dokumentation und dem Gegenteil, der bewusst inszenierten Unschärfe. Crossover und Mixed-Media der künstlerischen Techniken und Ausdrucksmittel ergänzen sich durch innovatives Verfahren mit traditionellen Themen, wie etwa dem Linolschnitt, der Guache, der Zeichnung, dem bildhauerischen Sujet oder dem Ready-made.

Dieser facettenreiche Bestand an Gegenwartskunst »made in Kassel« erlaubt Einblicke in jeweils zeitlich spannungsvolle Strömungen, Richtungen und Tendenzen, und vermittelt dabei treffend die unterschiedlichen künstlerischen Positionen, die sich in dieser Stadt entwickelt haben. Hinzu kommt das Angebot an jeden Bürger, sich die Werke in die eigenen vier Wände zu holen, um eine Zeit lang mit Kunst im privaten häuslichen Ambiente zu leben.
Veröffentlicht am:   14. 06. 2018