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Einsatz Nachsorge Team

ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Belastende Einsätze gab es solange Feuerwehren im Einsatz waren. Organisierte Nachsorge gab es jedoch bis in die 80iger Jahre nicht.

Das Ausmaß des menschlichen Leids bei dem Grubenunglück in Borken 1988 führte in unserer Region erstmals zu einer organisierten Nachbetreuung von Angehörigen der tödlich verunglückten Bergleute. Die psychosomatischen Abteilung der Universität Marburg, verschiedene Hilfsorganisationen und die Kirchen wirkten hierbei erfolgreich zusammen.

Diese Erfahrungen führte 1988 zur Aufnahme des Themas: "Psychische Belastung von Einsatzkräften" in der - von der Feuerwehr Kassel durchgeführten - Ausbildung für Leitende Notärzte in Hessen.

Die Tatsache der psychischen Belastung rückte dadurch zunehmend auch in das Bewusstsein von Feuerwehrleuten. Gleichzeitig gab es aber auch erhebliche Vorbehalte: "Wir sind doch keine Weicheier!"

Eine Auseinandersetzung mit psychischen Belastungen aus Einsatzsituationen war kaum vorstellbar. Dennoch wurde auch bei der arbeitsmedizinische Betreuung der Feuerwehr immer wieder die Notwendigkeit einer professionellen Nachsorge nach belastenden Einsätzen deutlich.

Ein zweites einschneidendes Erlebnis in diesem Zusammenhang war ein Wohnungsbrand 1994 in der Kurzen Straße: Vier Kinder und ein Erwachsener kamen damals zu Tode. In Abstimmung mit der psychosomatischen Abteilung der Universität Marburg erhielten die beteiligten Einsatzkräfte das Angebot einer Nachsorge zu diesem Einsatz. Die unterschiedlichen Reaktionen darauf offenbarten die Notwendigkeit einer strukturierten Einsatznachsorge.

Auch außerhalb der Feuerwehr wuchs das Bewusstsein der Notwendigkeit der Nachsorge nach belastenden Ereignissen. So entstand in enger Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten 1999 die Notfallseelsorge in Kassel. Sie betreut vor allem die von einem belastenden Ereignis betroffen Menschen.

Beide Entwicklungen gaben dann den konkreten Anstoß zur Betreuung der Einsatzkräfte der Feuerwehr Kassel. Das "Einsatz-Nachsorge-Teams" (ENT) wurde ins Leben gerufen. Zum Team gehörten 12 Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie vier "psychosoziale Fachkräfte" (Betriebsärztin, Pfarrer, leitender Notarzt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie).

Die Ausbildung des Teams begann Anfang 2001 und wurde nach der sog. "SBE-Methode" durchgeführt. Die Nachbesprechung des ersten SBE-Ausbildungsblocks machte den Wunsch nach einer der Feuerwehrpraxis besser angepassten Methode deutlich. Die langjährigen beruflichen Erfahrungen der "psychosozialen Fachkräfte" in klinischer Traumabehandlung (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie); betriebsärztlicher Betreuung (Betriebsärztin), Einsatzerfahrung (leitender Notarzt) und der Seelsorge (Pfarrer) ermöglichten es, fachliche Informationen und Anregungen für eine feuerwehrgerechte Umsetzung in den zweiten Baustein der SBE-Ausbildung einzubringen.

So wurde in einer Teamsitzung im August 2001 der "eigene Weg" für das ENT der Feuerwehr Kassel festgelegt: Das auf die eigene Situation abgestimmte Nachsorgekonzept sollte schon vorhandene und erprobte Strukturen, wie z.B. den "Runden Tisch" als den traditionellen Ort des Erfahrungsaustausches der Feuerwehrleute nach belastenden Einsätzen integrieren.

Das ENT stellte sich mit seinen Mitgliedern und ihrem Angebot im Juni 2002 in den Wachabteilungen vor. Teamintern wurden in mehreren Wochenendseminaren fachbezogene Fortbildungen durchgeführt. Am Tag der offenen Tür 2003 stellte sich das ENT einer größeren Öffentlichkeit vor.

Die regelmäßigen Treffen, Fortbildungen und Einsatzauswertungen des Teams, wie z.B. nach dem Verkehrsunfall mit vier Jugendlichen am Steinweg, bestätigten den eingeschlagenen Weg.

Darüber hinaus erbrachte die kritische Ergebnis-Sicherung der ersten fünf Jahre des ENT, dass mit dem Team vor allem eine "Kultur der Achtsamkeit" in der Feuerwehr Kassel etabliert wurde, die sehr wohl als Traumaprophylaxe zu bewerten ist.

Wer die Belastungen der Seele ernst nimmt ist kein "Weichei".

Er ist professionell! Das ENT bietet dafür Unterstützung an!

Sprecher des ENT Teams:

Ansprechpartner: Jens Kühn
Telefon: 0561 7884-145
Telefax: 0561 7884-114
E-Mail: jens.kuehn@kassel.de
Anschrift: Wolfhager Str. 25
34117 Kassel
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Veröffentlicht am:   21. 09. 2015  
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