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Der Brand der Spohrschen Schreinerei, Kassel-Wehleiden. Vorlesen

3. August 1901

Der Brand der Spohrschen Schreinerei, Kassel-Wehleiden.

Heute Morgen kurz vor halb zehn Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Aus Wehleiden wurde Großfeuer gemeldet, und zwar sollte die Hess. Aktienbrauerei in Flammen stehen, wie es in Kassel hieß. Die Feuerwehr rückte in voller Stärke aus und fand im Philosophenweg, hinter der Aktienbrauerei, die Schreinerei und das Wohnhaus des Schreinermeisters Spohr in hellen Flammen. Der Feuerherd wurde sofort mit allen verfügbaren Kräften in Angriff genommen und in kurzer Zeit gossen, nach dem Eintreffen der beiden Freiwilligen Feuerwehren von Kassel und Wehleiden etwa 14 Rohre ungeheure Wassermassen in die Glut. Auf bisher noch nicht bekannte Weise war in einem Kellerraum bei dem Werkstattgebäude der Schreinerei Feuer ausgekommen, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausgebreitet hatte. Der Holzschuppen, die Schreinerei und das Wohnhaus standen in kurzer Zeit in Flammen, an ein Retten von Mobiliar etc. war fast gar nicht zu denken. Die Kinder des Glasers Denn, die im Zimmer allein geblieben waren, wurden von einem herbeieilenden Verwandten gerettet, der die Tür einschlagen mußte um zu den Eingeschlossenen zu gelangen. Der Besitzer der Schreinerei, Herr Spohr, erledigte gerade in der Stadt geschäftliche Angelegenheiten, als der die Feuerwehr an der Weigelstraße erblickte. Erst als er sich seinem Haus näherte, erfuhr er das Unglück, das ihn betroffen. Ein über und über blutender Schreinergeselle, seiner Werkstatt, der sich mit genauer Not aus der mit rasender Geschwindigkeit in Flammen aufgehenden Arbeitsstätte gerettet und dabei verletzt hatte, brachte ihm die Unglücksbotschaft, daß Schreinerei und Wohnhaus lichterloh brannten. Der verletzte Schreinergeselle begab sich zum Roten Kreuz, um dort verbunden zu werden, während Herr Spohr zur Brandstätte rannte. Er versuchte selbst noch, aus seiner Wohnung Sachen zu retten, wurde aber durch den Qualm und die Hitze zurückgetrieben. Ebenso erging es den meisten Hausbewohnern; sie konnten fast nichts retten. Von auswärts war erst gestern ein Mann zugezogen, der sich dieser Tage zu verheiraten beabsichtigte. Die Wohnung war mit neuen Möbeln eingerichtet; heute beklagt der Mann den Verlust seiner sämtlichen Möbel und er sämtlichen Kleidung im Wert von über 800 Mark. In der Schreinerei hatte man das Feuer kaum bemerkt, als auch schon das ganze Gebäude in Flammen stand. Glücklicherweise wurden noch schnell die Ventile des Dampfkessels geöffnet, sodaß dieser abblasen konnte und eine etwaige Explosionsgefahr vermieden wurde. Die großen Holzvorräte, Herr Spohr hatte vor etwa 14 Tagen erst wieder einen Doppelwaggon Bohlen erhalten, boten dem Feuer leider zu reichliche Nahrung; erst nach und nach gelang es, diese abzulöschen und die noch glimmenden Bretter wegzuräumen. Die Rohre spieen kolossale Mengen Wassers in den Brandherd, und so wurde denn die Feuerwehr dieses Brandes verhältnismäßig schnell Herr. Unsere beiden Freiwilligen Feuerwehren arbeiteten mit der Berufsfeuerwehr Hand in Hand. Durch ihr schnelles Erscheinen trugen sie wesentlich zur schnellen Bekämpfung des Brandes bei. Gegen 11:30 Uhr war die Gefahr beseitigt, es blieb aber noch reichlich Arbeit für den ganzen Tag übrig. Die Feuerwehr hatte im Ganzen ca. 5000 Meter Schlauch ausgelegt. Verbrannt sind in der Schreinerei außer den Holzvorräten, von welchen nur noch wenig Brauchbares übrig ist, viele fertige Arbeiten, namentlich Bauarbeiten für das im Bau befindliche Hotel Schirmer, ferner auch noch viele Lagersachen.

Herr Spohr traf die Nachricht von dem Brande seines Anwesens um so schwerer, als er zuerst glaubte, seine Versicherung sei noch nicht erneuert. Vor etwa 14 Tagen war sein Vertrag mit der Feuerversicherungsgesellschaft abgelaufen, und, da die Versicherungsgesellschaft seine Versicherungsquote erhöhte, zunächst nicht zustande gekommen. Erst vor drei Tagen unterschrieb Herr Spohr den Antrag, er hatte aber bis zur Stunde die neue Police noch nicht in den Händen, und glaubte deshalb, daß die Versicherung noch nicht bestände. Der später auf der Brandstätte erscheinende Agent der Feuerversicherung konnte jedoch Herrn Spohr die beruhigende Mitteilung machen, daß die Police bereits bei ihm eingetroffen sei.

Das im Philosophenweg bestehende Wohnhaus, welches ebenfalls Herrn Spohr gehört, hat durch den Brand ebenfalls gelitten. Die Erhebungen der Kriminalpolizei werden hoffentlich bald Aufschluß über die Entstehung des Feuers geben. Einen Anhalt darüber hatte man heute Nachmittag noch nicht; einerseits wurde behauptet, daß spielende Kinder das Feuer verursachten, andererseits wurde behauptet, daß das Feuer angelegt sei. Jedenfalls hat der heutige Brand wieder bewiesen, daß wir in der Residenz über ein wohlorganisiertes Löschkorps verfügen, auf welches wir vertrauen können. Die Feuerwehren, zumal unsere ständige, haben unter der Leitung ihrer Offiziere mit großer Bravour und Umsicht die teilweise recht gefährlichen Löscharbeiten erledigt.

(Kasseler Neueste Nachrichten)

3. August 1901

Der Brand der Spohrschen Schreinerei, Kassel-Wehleiden.

Heute Morgen kurz vor halb zehn Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Aus Wehleiden wurde Großfeuer gemeldet, und zwar sollte die Hess. Aktienbrauerei in Flammen stehen, wie es in Kassel hieß. Die Feuerwehr rückte in voller Stärke aus und fand im Philosophenweg, hinter der Aktienbrauerei, die Schreinerei und das Wohnhaus des Schreinermeisters Spohr in hellen Flammen. Der Feuerherd wurde sofort mit allen verfügbaren Kräften in Angriff genommen und in kurzer Zeit gossen, nach dem Eintreffen der beiden Freiwilligen Feuerwehren von Kassel und Wehleiden etwa 14 Rohre ungeheure Wassermassen in die Glut. Auf bisher noch nicht bekannte Weise war in einem Kellerraum bei dem Werkstattgebäude der Schreinerei Feuer ausgekommen, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausgebreitet hatte. Der Holzschuppen, die Schreinerei und das Wohnhaus standen in kurzer Zeit in Flammen, an ein Retten von Mobiliar etc. war fast gar nicht zu denken. Die Kinder des Glasers Denn, die im Zimmer allein geblieben waren, wurden von einem herbeieilenden Verwandten gerettet, der die Tür einschlagen mußte um zu den Eingeschlossenen zu gelangen. Der Besitzer der Schreinerei, Herr Spohr, erledigte gerade in der Stadt geschäftliche Angelegenheiten, als der die Feuerwehr an der Weigelstraße erblickte. Erst als er sich seinem Haus näherte, erfuhr er das Unglück, das ihn betroffen. Ein über und über blutender Schreinergeselle, seiner Werkstatt, der sich mit genauer Not aus der mit rasender Geschwindigkeit in Flammen aufgehenden Arbeitsstätte gerettet und dabei verletzt hatte, brachte ihm die Unglücksbotschaft, daß Schreinerei und Wohnhaus lichterloh brannten. Der verletzte Schreinergeselle begab sich zum Roten Kreuz, um dort verbunden zu werden, während Herr Spohr zur Brandstätte rannte. Er versuchte selbst noch, aus seiner Wohnung Sachen zu retten, wurde aber durch den Qualm und die Hitze zurückgetrieben. Ebenso erging es den meisten Hausbewohnern; sie konnten fast nichts retten. Von auswärts war erst gestern ein Mann zugezogen, der sich dieser Tage zu verheiraten beabsichtigte. Die Wohnung war mit neuen Möbeln eingerichtet; heute beklagt der Mann den Verlust seiner sämtlichen Möbel und er sämtlichen Kleidung im Wert von über 800 Mark. In der Schreinerei hatte man das Feuer kaum bemerkt, als auch schon das ganze Gebäude in Flammen stand. Glücklicherweise wurden noch schnell die Ventile des Dampfkessels geöffnet, sodaß dieser abblasen konnte und eine etwaige Explosionsgefahr vermieden wurde. Die großen Holzvorräte, Herr Spohr hatte vor etwa 14 Tagen erst wieder einen Doppelwaggon Bohlen erhalten, boten dem Feuer leider zu reichliche Nahrung; erst nach und nach gelang es, diese abzulöschen und die noch glimmenden Bretter wegzuräumen. Die Rohre spieen kolossale Mengen Wassers in den Brandherd, und so wurde denn die Feuerwehr dieses Brandes verhältnismäßig schnell Herr. Unsere beiden Freiwilligen Feuerwehren arbeiteten mit der Berufsfeuerwehr Hand in Hand. Durch ihr schnelles Erscheinen trugen sie wesentlich zur schnellen Bekämpfung des Brandes bei. Gegen 11:30 Uhr war die Gefahr beseitigt, es blieb aber noch reichlich Arbeit für den ganzen Tag übrig. Die Feuerwehr hatte im Ganzen ca. 5000 Meter Schlauch ausgelegt. Verbrannt sind in der Schreinerei außer den Holzvorräten, von welchen nur noch wenig Brauchbares übrig ist, viele fertige Arbeiten, namentlich Bauarbeiten für das im Bau befindliche Hotel Schirmer, ferner auch noch viele Lagersachen.

Herr Spohr traf die Nachricht von dem Brande seines Anwesens um so schwerer, als er zuerst glaubte, seine Versicherung sei noch nicht erneuert. Vor etwa 14 Tagen war sein Vertrag mit der Feuerversicherungsgesellschaft abgelaufen, und, da die Versicherungsgesellschaft seine Versicherungsquote erhöhte, zunächst nicht zustande gekommen. Erst vor drei Tagen unterschrieb Herr Spohr den Antrag, er hatte aber bis zur Stunde die neue Police noch nicht in den Händen, und glaubte deshalb, daß die Versicherung noch nicht bestände. Der später auf der Brandstätte erscheinende Agent der Feuerversicherung konnte jedoch Herrn Spohr die beruhigende Mitteilung machen, daß die Police bereits bei ihm eingetroffen sei.

Das im Philosophenweg bestehende Wohnhaus, welches ebenfalls Herrn Spohr gehört, hat durch den Brand ebenfalls gelitten. Die Erhebungen der Kriminalpolizei werden hoffentlich bald Aufschluß über die Entstehung des Feuers geben. Einen Anhalt darüber hatte man heute Nachmittag noch nicht; einerseits wurde behauptet, daß spielende Kinder das Feuer verursachten, andererseits wurde behauptet, daß das Feuer angelegt sei. Jedenfalls hat der heutige Brand wieder bewiesen, daß wir in der Residenz über ein wohlorganisiertes Löschkorps verfügen, auf welches wir vertrauen können. Die Feuerwehren, zumal unsere ständige, haben unter der Leitung ihrer Offiziere mit großer Bravour und Umsicht die teilweise recht gefährlichen Löscharbeiten erledigt.

(Kasseler Neueste Nachrichten)