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Kassels mögliche Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025

Die Europäische Union verleiht seit 1985 jährlich den Titel "Kulturhauptstadt Europas" ("European Capital of Culture") und zeichnet damit Städte aus, die durch ihr kulturelles und kreatives Potential herausstechen und es verstehen, Europa in seiner Vielfalt sowie kulturellen Einheit zu repräsentieren. Kassel erwägt, sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 zu bewerben.


Kulturpolische Ziele: Kassel denkt neu - Interview mit Oberbürgermeister Christian Geselle


Bekenntnis zur nachhaltigen und langfristigen Kulturpolitik

Die hauptamtlichen Mitglieder des Magistrats haben am 22. März 2018 ihre Position zu einer möglichen Bewerbung vorgestellt.

Die hauptamtlichen Mitglieder des Magistrats bekennen sich zu sechs nachhaltigen und langfristigen Zielen für die Kulturpolitik Kassels. Diese Ziele haben sich im Rahmen der noch laufenden Kulturkonzeption bereits jetzt als besonders vorrangig herauskristallisiert. Zugleich empfehlen die sechs Dezernentinnen und Dezernenten dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung, eine mögliche Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 nicht weiter zu verfolgen.

Nach bisheriger Planung soll die Stadtverordnetenversammlung bis Ende 2018 über die Abgabe einer Bewerbung entscheiden. "Nach den inzwischen vorliegenden Erkenntnissen, insbesondere mit Blick auf die Kosten für das Vorhaben Europäische Kulturhauptstadt 2025 und sorgfältigem Abwägen halten wir es für geboten, schon jetzt eine Entscheidung zu treffen", erklärt Oberbürgermeister Christian Geselle bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag, 22. März 2018, mit Kulturdezernentin Susanne Völker und Stadtbaurat Christof Nolda. Diese Empfehlung möchten die hauptamtlichen Mitglieder des Magistrats bei einer Bürgerversammlung am 27. April 2018, ab 19 Uhr im Bürgersaal des Rathauses erläutern, begründen und gemeinsam mit den Kasseler Bürgerinnen und Bürgern diskutieren. 

Logo mit einem weißen K auf grün-blauem Hintergrund; © Stadt Kassel

Sechs Ziele für eine nachhaltige Kulturpolitik

Mit Blick auf die noch laufende Kulturkonzeption und die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel müsse es darum gehen, folgende sechs Ziele vorrangig umzusetzen: 

  • Der Freien Szene Kassels als wichtigem Bestandteil einer offenen und wandlungsfähigen Kultur mangelt es an adäquaten Räumlichkeiten, sowohl für Probe- und Atelierräume als auch für Auftrittsmöglichkeiten. Auch für die Präsentation der mit Kassel verbundenen Technikgeschichte werden entsprechende Räumlichkeiten gebraucht. Hierfür werden zeitnah Lösungen entwickelt. 
  • Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Vernetzung und Förderung Kasseler Kulturschaffender. In diesem Zusammenhang wird ein Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen, das neben seiner Netzwerkrolle zum einen den Kulturakteurinnen und -akteuren der Stadt als Beratungsstelle und zum anderen als Schnittstelle zwischen Kultur und Wirtschaft dient. Ziel ist, möglichst in enger Anbindung an die Kunsthochschule, einen "Hotspot" für Künstler und Kulturschaffende zu gründen. 
  • Die documenta als weltweit wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst sowie als bedeutende Institution Kassels bedarf einer nachhaltigen Stärkung. Ziel ist es, die documenta und Museum Fridericianum gGmbH zeitgemäß auszustatten – organisatorisch, finanziell wie auch personell. Hierfür ist ein Mehraufwand im städtischen Haushalt unumgänglich. 
  • Die Stadt Kassel will die Kulturszene künftig noch besser dabei unterstützen, Fördermittel von EU, Bund und Land für sich nutzbar zu machen. Dafür werden notwendige organisatorische, finanzielle und personelle Strukturen innerhalb der Stadtverwaltung geschaffen. 
  • Gemeinsam mit dem Land Hessen, der Universität Kassel sowie der documenta und Museum Fridericianum gGmbH erarbeitet die Stadt Kassel ein Konzept für ein documenta Institut als außeruniversitäres Forschungszentrum. Dieses wird maßgeblich dazu beitragen, die documenta auch in den fünf Jahren zwischen den Weltkunstausstellungen sichtbar zu halten. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist absehbar, dass vor allem der operative Betrieb des Instituts mit größeren finanziellen Anstrengungen verbunden ist als bislang angenommen. Bereits im Sommer 2018 sollen die politischen Gremien die notwendigen Beschlüsse fassen, damit im Anschluss die konkrete Bauplanung beginnen kann. 
  • Die für Kassel relevanten Themenbereiche Lesen und Sprache als wichtige Bausteine einer Kultur der Verständigung und des Austauschs sollen auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung gestärkt und in ihrer Breitenwirkung gefördert werden. Dazu soll eine neue, attraktive und multimedial ausgestattete Stadtbibliothek entstehen.

 

Dank für engagierte Beteiligung
Geselle, Völker und Nolda danken ausdrücklich den vielen Menschen, die sich im bisherigen Beteiligungsprozess engagiert haben. "Uns begeistert, wie viele Menschen sich ehrenamtlich und mit viel Herzblut einbringen. Der Austausch mit den Kulturakteurinnen und -akteuren im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung und Kulturkonzeption zeigt deutlich, dass Kultur für Kassel ein wichtiger Identitätsfaktor und Motor der Stadtentwicklung ist", betont Kulturdezernentin Susanne Völker. "Mit Blick auf diese Stärke Kassels ist es wichtig, das Erreichen wesentlicher Ziele, die zur Stärkung der Kultur hier vor Ort auch zwischen den documenta Ausstellungen beitragen, unmittelbar anzugehen und zu verstärken."  

Derzeit durchläuft die Stadt Kassel unter Federführung des Kulturdezernats, begleitet vom Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., den partizipativen Prozess der Kulturkonzeption im Sinne einer kulturellen Stadtentwicklung, die ein hohes Maß an Diskursbereitschaft und inhaltlicher Auseinandersetzung seitens der Stadtbevölkerung zeigt.  Dieser Prozess identifiziert Handlungsfelder für eine langfristige und in die Zukunft gerichtete Kulturstrategie und leitet konkrete Maßnahmen ab. 

"Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Empfehlung, die Bewerbung zur Kulturhauptstadt nicht weiter zu verfolgen, Fragen aufwerfen", erklärt Völker. "Wichtig dabei ist aber, sich zu vergegenwärtigen, dass die Vorbereitung der Bewerbung bereits wesentliche, positive Entwicklungen angestoßen hat. Ein bedeutender Impuls ist beispielsweise die Kulturkonzeption."  

Im Rahmen des bisherigen Prozesses zur Vorbereitung einer Bewerbung zur Europäischen Kulturhautstadt 2025 ist für eine Stadt der Größe Kassels mit einem operativen Budget von ca. 70 Millionen Euro zu rechnen, das allein für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr anfallen würde. Hinzu kommt ein geschätztes Investitionsbudget von 150 bis 200 Millionen Euro. "Zwar bestünde die Aussicht Fördermittel einzuwerben, dennoch wäre eine Bewerbung mit erheblichem finanziellen Aufwand für den städtischen Haushalt verbunden", gibt Geselle zu Bedenken.  

Investitionen in kulturelle Infrastruktur
"Effektiv werden wir in die kulturelle Infrastruktur Kassels investieren – unabhängig vom Gewinn des Titels Europäische Kulturhauptstadt 2025", ergänzt Stadtbaurat Christof Nolda. Dafür sollen nach den Vorstellungen der hauptamtlichen Mitglieder des Magistrats auch in den Haushaltsplänen der kommenden Jahre entsprechende Schwerpunkte gesetzt werden. Gemeinsames Ziel und politische Aufgabe ist es, Wege zu finden, die eine bestmögliche Umsetzung der Kulturkonzeption in konkrete Maßnahmen und weiterführende Prozesse ermöglichen. 

"Die Empfehlung gegen eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 ist gleichzeitig ein klares Bekenntnis für die Weiterentwicklung des kulturellen, kulturpolitischen und baukulturellen Profils Kassels als documenta Stadt mit dem Anspruch einer internationalen Relevanz bei gleichzeitiger Stärkung der lokalen Kulturakteure und der Kreativwirtschaft", betonen Geselle, Völker und Nolda.  

Veröffentlicht am:   23. 03. 2018  

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