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100 Jahre Botanischer Garten: eine Reise durch die Zeit

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens 2016 hat das Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel die Chronik des Botanischen Gartens am Schloss Schönfeld zusammengestellt. Gehen Sie mit auf diese Reise durch die Zeit durch Höhen und Tiefen seit  der Gründung im Weltkriegsjahr 1916, also noch während der Kaiserzeit.

Entstehung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts: 1912 Neue Initiative von Direktor Schulte-Tigges für die Errichtung eines Schulgartens. Erste Bauarbeiten im Gebiet des heutigen Botanischen Gartens im Westen des Parks Schönfeld, hier soll auch eine Stadtgärtnerei entstehen. Schwerpunkte: Lieferung von Pflanzen an Schulen, gärtnerisch-botanische Bildung sowie Tauschverkehr mit bedeutenden Gärten in Europa und Übersee.

1914: Wegenetz und Arboretum sind fertiggestellt. Offizielle Eröffnung für den Sommer geplant. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verlangt andere Prioritäten: Auf nicht benötigten Flächen werden statt Zierstauden Gemüse und Kartoffeln gepflanzt. Hermann Schulz wird technischer Leiter des botanischen Schulgartens (bis 1948).. Herstellung der Abteilungen zur Systematik, zur Pflanzengeographie und zur Ökologie.

1916: Fertigstellung der Erdarbeiten für den Botanischen Schulgarten und Freigabe. Eine offizielle Eröffnung gab es nicht, doch ist 1916 damit das Geburtsjahr des Botanischen Gartens.

 

; © Stadt Kassel
Richtfest am zweiten Gebäude des Botanischen Gartens 1923

Erste Jahre

1917: Regelmäßiger Samentauschverkehr mit bedeutenden Gärten in Europa und Übersee.

1918: Die Lieferung von Pflanzen an einzelne Schulen und kleinere Schulgärten kann trotz des Ersten Weltkriegs aufrechterhalten werden.

Ab 1920: Anlage der Arbeitsschulgärten

1923:  Bau eines kleinen Gebäudes

 

Wandel zum Botanischen Garten

1926: Drohende Schließung des Schulgartens wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage; Schulen nehmen keine Pflanzen mehr ab.

Ab Ende 1920er Jahre: Zunehmende Öffnung des Schulgartens für die Öffentlichkeit. Der Botanische Schulgarten wird allmählich zu einem allgemeinen Botanischen Garten.

1931: Bau des Getreidegartens auf den letzten unbebauten Teilflächen

1937 - 39: Planung und Bau des Stadtgartenamtes mit Stadtgärtnerei auf Teilflächen des Botanischen Gartens

 

Zweiter Weltkrieg

Keine Arbeitskräfte, weitgehende Zerstörung des Botanischen Gartens durch Bombenschäden bzw. elf Bombentrichter.

8. März 1945 Verwaltungsgebäude der Stadtgärtnerei brennt bei Luftangriff aus, auch die Gewächshäuser werden stark beschädigt.

Nach 1945: Aufräumarbeiten, Versorgung von städtischen Einrichtungen mit Gemüse durch Stadtgärtner.

 

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Ab 1946: Wiederaufbau Stadtgärtnerei

1947/ 48: Beginn der Wiederaufbauarbeiten im Botanischen Garten

1948: Inbetriebnahme einzelner Abteilungen des Botanischen Gartens. Dieser untersteht seit diesem Jahr dem Stadtgartenamt.Dipl. Gärtner Oswald Sauer übernimmt die Leitung des Gartens (bis 1958). Oswald Sauer entwickelt aus dem ehemaligen Schulgarten einen Botanischen Garten, der für breite Schichten der Bevölkerung, naturwissenschaftliche Vereine, Liebhaber und Fachleute attraktiv und über Landesgrenzen hinaus bedeutend wird.

1. Juni 1949: Offizielle Wiedereröffnung des Botanischen Gartens

Terrarienanlage Mitte der 50-er Jahre; © Stadt Kassel: Foto:Jasmine Muller-Bjelic Terrarienanlage Mitte der 50-er Jahre

Frühe 50-er Jahre und Bundesgartenschau in Kassel

Aufgrund der bevorstehenden Bundesgartenschau 1955 in Kassel erfolgt ein zügiger Ausbau des Botanischen Gartens.

1950/ 51: Neubau Aquarien- und Schulpavillon

Bis 1955: Umbau des Botanischen Gartens zu dem Erscheinungsbild wie es heute noch existiert:

Neubau/ Entstehung von u.a.: Tropenhaus (nach Entwurf von Herrmann Mattern (1979 durch Neubau ersetzt)), Insektivoren-Vitrine auf Backsteinsockel, gemauertem Seerosenbecken, Basalthütte (Holzpavillon mit Satteldach und Westwand aus Basaltbruchsteinen), Herkulesblick, Gärtnerhäuschen (heute Schulbiologiezentrum und Gärtnerunterkunft), Weinlaube (Stahlrohrkonstruktion über polygonalem Grundriss), Anzuchthaus auf Sandsteinsockel sowie Aquarienpavillon, Terrarien.

 

Blütejahre

1957: Zusatzflächen durch Einziehung eines alten Durchgangsweges

1958: Gartenbauingenieur Alfred Bröcker übernimmt die Leitung des Botanischen Gartens (bis 1982). Erweiterung der Pflanzensammlungen und des internationalen Samentausches, Anlage eines Alpinums mit Alpenpflanzen aus den Gebirgen aller Kontinente, Errichtung von 2 Gewächshäusern mit Pflanzenbestand tropischer und subtropischer Herkunft. Erneuerung des gesamten Wegenetzes sowie sämtlicher Versorgungsleitungen wie Strom, Wasser und Fernheizung. Neuaufbau des Anzuchtquartiers sowie von Heide- und Koniferengarten.

1959:  Bau der Rosenpergola und Neuanlage des Apothekergartens

1960: Bau einer Wetterstation

1961: Neubau eines Wirtschaftsgebäudes mit Maschinenraum, Arbeitsraum, Tierüberwinterungsraum, Abstellraum, Wiederherstellung des Birkenwäldchens

1961-66 Teilweise Erneuerung der Außenumzäunung des Gartens, Einbau von zweiflügeligen Toren und Drehtüren an den Eingängen.

1962/ 63 Neubau des Alpinums

1963:  Bau von zwei neuen Gewächshäusern für Pflanzenraritäten aus tropischen und subtropischen Ländern

1964: Neubau Teichanlage, Einbeziehung der Ufer in das Alpinum

1965: Renovierung der Gewächshäuser

1968: Abbruch des baufälligen Pflanzenschauhauses, kein Ersatz

1969: Aufstellung Gewächshaus

Ab Mitte der 1970er Jahre: Wirtschaftlichkeit des Botanischen Gartens wird in Frage gestellt. Erste Überlegungen zur Rückführung.

1976 Tropenhaus wegen Einsturzgefahr geschlossen

1979 Bau eines zweischiffigen Überwinterungshauses für subtropische Wüsten- und Steppenpflanzen

1980 Neubau des Netzes der Wasserversorgungsleitungen im Botanischen Garten

1981 Renovierung von Staudenrondell, Rosarium und Apothekergarten

1982 Vorhandene Themengärten des Botanischen Gartens: Sommerblumen, Rosarium, Staudenrondell, Alpinum, Systematische Abteilung, Apothekergarten, Wasser- und Sumpfpflanzen, Salz- und Dünenpflanzen, Subtropische Gewächse, Farnschlucht, Moorvegetation, Kakteen/ Sukkulenten, Insektivorum, Arboretum, Heidegarten, Waldwiese, Laubmischwald, Primelgarten, Anzuchtgewächshaus.

 

Schwierige Zeiten und neue Chancen

1982 Rückführung des Botanischen Gartens zu einer einfachen Grünfläche aus wirtschaftlichen Gründen

1983 Gründung des Fördervereins Schulbiologiezentrum und Botanischer Garten e.V.

1984 Gründung des Fördervereins Botanischer Garten e.V., Gründung "Biologische Station" im ehemaligen Botanischen Garten

1987 Entstehung von Kräuter- und Gewürzgarten im Bereich der Biologischen Station

1987 – 89: Entstehung des Vogelbeobachtungshauses und des Teiches

1989 – 93: Modellversuch "Umweltbildung" in der Biologischen Station und Umbenennung in Schulbiologiezentrum (SBZ)

1992 - 94: Verschiedene Maßnahmen, um das Gelände zu erhalten, darunter: Erneuerung eines Rankgerüstes und Herstellung eines Plattenweges am ehemaligen Staudenrondell, Sommerblumen-Vergleichsschau im ehemaligen Apothekergarten, Herstellung eines gepflasterten Sitzplatzes im Bereich der ehemaligen Terrarien.

Eine neue Ära

2002 Beginn der Wiederinstandsetzung des Botanischen Gartens durch das Umwelt- und Gartenamt unter der Leitung von Regula-Maria Ohlmeier, Margit See übernimmt Leitung des Botanischen Gartens.

ab 2003: Wiederanlage von einzelnen Themengärten mit Vereinen, Sponsoren, Ehrenamtlichen, Schulbiologiezentrum, Mitarbeitern,Kakteenschauhaus wieder zugänglich, Neuanlage Rosengarten, Neuanlage von Heilkräutergarten, Staudengarten, Magdalena-Garten, Hochbeete.

2004: Erster Tag der offenen Tür, Ausstellungen, Lichtinstallationen

2006: Neupflanzung der Lindenallee, Neugestaltung des Teiches

2007: Neubau des Informations- und Ausstellungspavillons aus Ziegelmauerwerk und Herstellung eines neues Wegebelages an Insektivorenhaus und Seerosenbecken

2008: Entstehung Farnschlucht, Neusetzen der Sandsteineinfassungen am unteren Hauptweg, Erste Pflanzenbörse, Herstellung der gepflasterten Wege in der Schulbiologie, „Pflanzendoktor“ der Hessischen Gartenakademie 1x wöchentlich im Botanischen Garten, erste Hochzeiten im Botanischen Garten.

2010: Sanierung Weinlaube

2011: Entstehung Bambushain, Christine Schneider und Volker Lange übernehmen Leitung des Botanischen Gartens

2013: Neuanlage Außenbeet für die Kakteen und Entstehung eines Steingartens, Neusetzen von Einfassungssteinen in der Hauptallee.

2014: Erneuerung des Wegebelags in der Hauptallee, Sanierung des Rosengartens

2015: Sanierung von Zaun und Tor im Haupteingang des Botanischen Gartens, Entstehung eines Staketenzaunes am Magdalena-Garten.

2016: 100 Jahre Botanischer Garten Kassel: Der Botanische Garten ist ein Gartendenkmal aus geschichtlichen Gründen, da er die Gartenkultur der Gründerzeit und vor allem jedoch die Gartenkultur der frühen 1950er Jahre repräsentiert.

Bronzefigur an einem von Schilf und Palmen gesäumten Teich; © Stadt Kassel
Teich mit Wasserschöpferin 2015

Veröffentlicht am:   15. 06. 2016  


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