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Gießhaus Universität Kassel Vorlesen

Gießhaus; © Stadt Kassel

Das jetzt als Veranstaltungsraum dienende Gießhaus ist eines der wenigen erhaltenen Baudenkmäler aus der Zeit der Frühindustrialisierung vor ca. 150 Jahren in Kassel, das den Bombenkrieg überstanden hat.

Als Erbauer in Planung und Ausführung kann man wohl den vielseitigen, je geradezu genialen Carl-Anton Henschel ansehen, der sich neben seinen maschinenbautechnischen Leistungen auch mit Architektur befasst hat. Der einheitlich bis zur Kuppel aus Ziegelsteinen gefügte runde Zentralbau ist bis zum Mauerkranz ca. 5 m hoch und hat einen Innendurchmesser von 16 m. Das Außenmauerwerk ist ca. 0,74 m dick und weist auf jeder Seite des Portavorbaus je 4 Rundbogenfenster auf. Zwischen diesen sitzen Wandlisenen, die etwa 5 Ziegellagen höher als die Fensterscheitel geführt sind. Nach oben schließt der Zylinderkörper mit einem gegliederten, gemauerten Kranzgesims ab.

Über diesem Zylinder ist eine Halbkreiskuppel errichtet, die bis zum Kuppelzenit ca. 13 m Höhe erreicht. Die Kuppel besteht aus einem Röhrengewölbe, dessen tönerne Bauelemente einzeln sichtbar sind, da die Öffnung innen offengelassen wurde. Im oberen Teil sind kleinere Röhren verwendet, die vor der runden Zenitöffnung noch einmal durch zwei Lagen größerer Röhren gefasst werden. So ist eine Wölbung von wabenartigem Charakter entstanden, was einen eigentümlichen ästhetischen Reiz auf den Betrachter ausübt.

Die gebrannten, in einer Mörtelbettung sitzenden Tonröhren wurden - wie Carl-Anton Henschel selbst in einem Bericht aus dem Jahr 1843 schreibt - aus Gründen der Feuersicherheit eingesetzt. Aber auch das relativ geringe Gewicht dieser Kuppelbildung dürfte zu dieser Konstruktion geführt haben.
Der Rundbau wurde nach seiner Entstehung in den Jahren 1836/37 mehrere Jahrzehnte als Gießhaus der Firma Henschel & Sohn benutzt. Später wurde darin das Werksmuseum der Firma Henschel eingerichtet.

Die Rotunde enthielt die Abstiche zweier Kupolöfen, die sich zusammen mit der Gichtbühne in den rückwärtigen Anbauten befanden. Das von Werner Henschel geschaffene Bonifatiusdenkmal in Fulda war der erste größere Guss, der hier vorgenommen wurde. Die Rotunde wurde zum Symbol der Henschel-Fabrik, wenn sie etwa auf dem Rechnungskopf der Firma um 1850 im Mittelpunkt einer Werksansicht herausgehoben erscheint.

Bereits zur Zeit seiner Entstehung hatte das Gebäude -seine Form und seine Kuppellösung- große Beachtung gefunden. So rühmt der preussische Oberst v. Decker aus Königsberg, der anläßlich einer Urlaubsreise im Sommer 1839 das Henschel-Werk besichtigte, u.a. das runde Gießhaus. Die Kuppel mit dem Gewölbe aus konischen Tonröhren erregte seine besondere Aufmerksamkeit.

Er schreibt:
"Der ganze Bau der Kuppel ist kühn zu nennen und auch erst nach mehreren vergeblichen Versuchen gelungen. Einmal ist ein förmlicher Einsturz erfolgt, glücklicherweise aber an einem früheren Morgen, wo noch niemand in der Werkstatt sich befand."

Das reizvolle Gebäude ist jetzt ein Teil der Universität Kassel und ist glücklicherweise in seinem ursprünglichen Zustand erhalten bzw. restauriert worden. Die etwas ungünstigen akustischen Verhältnisse des Rundbaues wurden durch geschickt gelöste Lautsprecheranlagen verbessert, so dass der schöne Raum auch für Vortragsveranstaltungen genutzt werden kann.

Institution: Universität Kassel
Telefon: 0561 / 804-0
Telefax: 0561 / 804-2330
E-Mail: poststelle@uni-kassel.de
Anschrift: Mönchebergstraße 19
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