www.kassel.de

Das documenta Archiv – eine Chronologie

Schriftverkehr documentaarchiv; © documenta Archiv; Foto: Eull

" Ist die Fortsetzung der documenta notwendig? Wenn wir diese Frage bejahen, so muß man gleichzeitig die Antwort darauf erteilen, mit Ja – aber nur unter einer Bedingung, daß für die Vorbereitung ein Institut oder etwa ein Archiv gegründet wird, denn beim drittenmal kann man nicht wie bei den ersten beiden documenten die Vorbereitung so improvisieren, wie wir es beidesmal tun mußten." (Arnold Bode auf der Sitzung der documenta Gesellschaft am 17.1.1961)

Broschüre der documenta 1; © documenta Archiv; Foto: Eull

1961 erwartete Arnold Bode, dass dem Kunsthistoriker Werner Haftmann, der mit ihm zusammen die d 1 und d2 vorbereitet hatte, die Leitung des Archivs übertragen wird. Doch am 1. Juni 1961 wird das documenta Archiv als städtische Einrichtung gegründet, verortet in der Murhardschen Bibliothek, und nicht Haftmann, sondern die Göttinger Kunsthistorikerin Lucy von Weiher wird von der Stadt Kassel als Leiterin bestellt.

1973 wird sie von Dr. Ela Spornitz abgelöst. Das Archiv wird ab 1976 als eine Abteilung des Kulturamtes der Stadt Kassel geführt.

1978 zieht das Archiv unter der Leitung von Dr. Konrad Scheurmann in das Kulturhaus am Ständeplatz (heute Stadtmuseum) um.

1989 wird Dr. Hubertus Gassner Leiter des Archivs. Das Archiv zieht an seinen jetzigen Standort, in das Kulturhaus Dock 4. Der Nachlass Arnold Bodes, darunter auch zahlreiche Kunstwerke, wird an das documenta Archiv übergeben. 

1993 übernimmt die Kunsthistorikerin und Bibliothekarin Karin Stengel die Leitung des Archivs. Zusammen mit Harald Szeemann dokumentiert sie anhand von Archiv-Materialien die Leitideen der documenta 5, eine der einflussreichsten documenta Ausstellungen. Das Gesamtprojekt wird von der Unesco als offizieller Beitrag für das Internationale Jahr 2001, Dialog zwischen den Kulturen, ausgezeichnet.

2004 formuliert die Stadt Kassel im Rahmen der Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europa 2010“ erstmals als Ziel, ein „Arnold Bode-Zentrums“ zu errichten.

2005 In Kooperation mit der documenta GmbH wird anlässlich des 50. Jubiläums der documenta eine Ausstellung im Fridericianum gezeigt, deren dokumentarischer Teil („archive in motion“) anschließend an verschiedenen Orten weltweit gezeigt wird.

Notizbuch Arnold Bode; © documenta Archiv; Foto: Eull

2006 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt "Mediencluster documenta und Gegenwartskunst", das die Digitalisierung der Bild- und Pressematerialien zu den documenta-Ausstellungen 1-5 umfasst. Der Folgeantrag für die Ausstellungen d 6-12 wird 2011 bewilligt. Bis Ende 2015 werden alle Bilder in einer Datenbank erfasst sein, die online abrufbar ist.   

2007 nimmt das Archiv an dem von der Bundeskulturstiftung geförderten Projekt "mediaartbase.de" teil, in dessen Rahmen gefährdete Audio- und Videodatenträger digitalisiert und über eine gemeinsame Videodatenbank online zugänglich gemacht werden.

Im gleichen Jahr wird in dem zwischen Land und Stadt geschlossenen Kulturvertrag der Auftrag formuliert, ein Konzept vorzulegen,  wie ein gemeinsam getragenes documenta Zentrum räumlich und organisatorisch umgesetzt werden könne. Die Grundlage dafür solle das documenta-Archiv bilden. 

2009 legt die hierzu gebildete Arbeitsgruppe einen Abschlussbericht vor, der verschiedene Varianten, u.a. auch eine Machbarkeitsstudie zur Unterbringung des Archivs im Kulturhaus Dock 4, enthält. Auf zahlreichen Veranstaltungen und in vielen Papieren wird immer wieder auf die nicht gehobenen Potenziale des Archivs hingewiesen und die Gründung eines documenta Zentrums gefordert, in dem alle documenta nahen Einrichtungen, wie die Stiftung 7000 Eichen, das documenta Forum, die Arnold-Bode Stiftung, zusammengefasst werden sollen.

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt am 25.01.2010 einstimmig, dass die Stadt Kassel das documenta Zentrum mittel- bis langfristig realisieren solle. Doch das Land Hessen bleibt zurückhaltend und argumentiert, zuerst müsse die Entscheidung zum Szeemann-Archiv gefallen sein. In 2007 gab es eine erste Offerte zum Ankauf des Harald Szeemann Archivs. Voraussetzung war allerdings, dass es konservatorisch angemessen aufbewahrt und erschlossen würde. Die Verhandlungen ziehen sich über mehrere Jahre hin. Die Stadt legt erneut Pläne zum Ausbau des Archivs vor, dieses Mal in den Räumen der ehemaligen Bundesbankfiliale und beschließt, Mittel für den Ankauf des Szeemann Archivs bereitzustellen. Doch letztendlich gibt es keine ausreichende Unterstützung vom Land und vom Bund und das Szeemann-Archiv wird im Juni 2011 an das Getty Research Institute in Los Angeles verkauft.

Projektbeschreibung documenta; © documenta Archiv; Foto: Eull

2012 beginnt das DFG-Projekt zur "Erschließung des Altbestandes der Bibliothek des documenta Archivs".

Erneut trifft sich in Kassel ein Unterstützerkreis, bestehend aus Vertretern der Universität/Kunsthochschule, der Stadt, Kulturpolitikern und Kulturmäzenen, mit dem Ziel,  die Bedeutung des Archivs für die wissenschaftliche Forschung zu vermitteln. Aus eigener Anstrengung richtet die Universität/Kunsthochschule eine auf zwei Jahre befristete documenta-Gastprofessur ein. Sie wird mit Dr. Dorothea von Hantelmann besetzt, die in von der documenta GmbH angemieteten, direkt neben dem Archiv liegenden Unterrichtsräumen, mit Studierenden arbeitet. Eine private Spende ermöglicht es, zwei weitere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen einzustellen, die DFG-Anträge vorbereiten. 

2014 erklärt die neu gewählte schwarz-grüne Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag: "Wir streben gemeinsam mit der Stadt Kassel an, die documenta und ihre Geschichte auch zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen erlebbar zu machen. Hierzu soll das Archiv der documenta erschlossen und zu einem documenta-Institut unter Beteiligung von Bund, Land, privaten Sponsoren und der Stadt Kassel weiterentwickelt werden." 

Boris Rhein und Bertram Hilgen unterzeichnen Kooperationsvertrag zur Übergabe des documenta Archivs; © Stadt Kassel; Foto: Eull

Feierliche Übergabe

2015 beginnen zwischen dem Land und der Stadt Kassel die Gespräche zur Überleitung des Archivs. Die Universität Kassel bereitet einen Antrag für den Aufbau eines documenta Instituts vor und beantragt Mittel für eine Verstetigung der documenta Professur.

Eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Kassel und dem Land Hessen haben der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta GmbH, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, und der hessische Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein am Mittwoch, 15. Juli, in Anwesenheit der Geschäftsführerin der documenta GmbH, Annette Kulenkampff, im Kasseler Rathaus unterzeichnet.

2016 Seit dem 1. Januar ist das documenta Archiv in die Trägerschaft der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH (documenta GmbH) übergegangen und kann dort mit verbesserter finanzieller Ausstattung seine Arbeit fortführen.

Dr. Birgit Jooss (2016) documenta Archiv ; © Foto: Rosa Maria Rühling

Birgit Jooss - neue Direktorin des documenta Archivs

Die internationale Expertin Birgit Jooss ist die neue Direktorin des documenta Archivs für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Kassel.

"Mit Dr. Birgit Jooss haben wir eine international vernetzte und anerkannte Expertin gewinnen können, die das Archiv auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene weiterentwickeln wird. Das ist ein wichtiger Schritt für das Archiv als Grundlage des geplanten documenta Instituts und seine existenzielle Bedeutung für das kulturelle Erbe documenta und seine Zukunft", sagte Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

documenta Archiv

Ansprechpartnerin: Dr. Birgit Jooss (Direktorin)
Telefon: 0561 / 70727 - 3100
Telefax: 0561 / 70727 - 3110
E-Mail: archiv@documenta.de
Ansprechpartnerin: Sigrid Heisel (Sekretariat)
E-Mail: archiv@documenta.de
Anschrift: Untere Karlsstraße 4
34117 Kassel
ÖPNV: Fahrplanauskunft
Stadtplan: Lage im Stadtplan
Internet: www.documentaarchiv.de
Veröffentlicht am:   03. 08. 2016  

Seltene Tonaufnahmen
von Arnold Bode

Ausführliches Interview mit Arnold Bode, das die Zeitschrift „Form“ in der Nachlese zur documenta 3 geführt, aufgezeichnet und (in redigierter Form) in ihrer Dezemberausgabe 1964 (Heft Nr.28, S. 2-7) veröffentlicht hat.

Die Tonaufzeichnung des Interviews wurde erst 2009 mehr oder weniger zufällig im Rahmen unseres großen Projekts zur Video- und Audio-Restaurierung und -Digitalisierung wiederentdeckt und vom Studio Sebastian Fleiter hier in Kassel restauriert und abspielbar gemacht.

Die Tonqualität ist leider nicht besonders gut, zumal Bode kein deutlicher Sprecher war. Aber neben ein paar wenigen kurzen, erhaltenen Fernsehinterviews, ist es eines der ausführlichsten Tondokumente zu Arnold Bode überhaupt, in dem er einige grundlegende Informationen zur documenta und seiner Form des Kuratierens gibt.



Service

Social Media

Sprachen

  • english
  • flag france
  • flag italy
  • flag spain
  • russian
  • turkey
  • flag japan
  • flag china
  • flag arabic