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Lebenslauf von Arnold Bode

Prof. Arnold Bode war ein außergewöhnlicher Mann: Organisator und Ausstellungsleiter, Maler, Designer, Innenarchitekt, Ausstellungs- und Messearchitekt. Am 23.12.1900 wurde er in Kassel geboren. 1919 begann er sein Studium der Malerei und Graphik an der Kunstakademie in Kassel. Er war Schüler bei den Malern Kurt Witte und Ewald Dülberg. 1924 absolvierte er die Staatsprüfung als Zeichenlehrer, 1925 studierte er in Berlin und Paris. Nachdem Bode bereits an einigen internationalen Ausstellungen in der Orangerie Kassel als Organisator mitbeteiligt war (1922, 1925 und 1927), ging er 1928 nach Berlin. Dort dozierte er zunächst an Michels Werklehrerseminar und wurde später sogar stellvertretender Direktor.

Erfolgreich verkaufte er einige seiner Bilder an verschiedene Galerien und stellte u. a. beim Deutschen Künstlerbund und der Berliner Sezession aus. Sein erstes eigenes Atelier eröffnete er 1926 in Kassel und schon 1930 war er Dozent für Lehrerfortbildung an einem Institut, das der Hochschule in Berlin angeschlossen war. Dort lehrte er Bildhauerei, Malerei und Gestaltung, wobei er sich um die Fachgrenzen nicht kümmerte, sondern Anregungen von allen Seiten annahm.

Gemeinsam mit seiner Frau Marlou (Marie-Louise) verkehrte er in Berlin mit Künstlern und Schriftstellern, den Kreis um Bertolt Brecht und Theo Otto. 1933 bekam Arnold Bode Berufsverbot und wurde entlassen.

Das Gespenst der "entarteten Kunst" ging um in Deutschland und Bode selbst bezeichnete die Periode von 1933 bis 1939 als: "gemalt und gezeichnet im Dunkeln". (A. Bode: documenta Kassel-Essays, S. 36).

Zu Beginn des Krieges wurde Arnold Bode als Soldat eingezogen, ein für ihn sehr schlimmes Ereignis. Geschickt mogelte er sich durch diese Zeit, ging Gewehren und Schießereien aus dem Weg, indem er als Maler arbeitete und beispielsweise Wehrmachtsheime mit Wandbildern ausstattete. Das brachte ihm eine gewisse Bewegungsfreiheit.

Er konnte nach Frankreich, ins Elsaß, gehen, wo der Alltag etwas freier war. In Frankreich besuchte Arnold Bode verschiedene Kunstausstellungen z.B. von Picasso. Diese Zeit sollte Arnold Bode besonders prägen, denn schon hier entstanden das Verlangen, die Idee und die Pläne für die documenta. 1945 ging Familie Bode zurück nach Kassel.
Sie wohnten bei Arnold Bodes Eltern, die ihm, seiner Frau und den inzwischen geborenen Kindern (Eva, René, Nele und Peter) sehr halfen. Arnold Bodes Wohnung und fast sein gesamtes Frühwerk wurden im Krieg zerstört.

1947 wurde die Kasseler Kunstakademie, die 1931/32 durch Hitler geschlossen wurde, wieder neu gegründet. Zu den Verdiensten Arnold Bode gehört seine maßgebliche Mitwirkung an deren Neugestaltung. Der neue Name war "Werkakademie".

Bei einer großen Picasso-Ausstellung im ruinösen Renaissancebau des Mailänder "Palazzo Reale" im Jahre 1953 kam Arnold Bode, als erfolgreicher Messearchitekt, die Idee, das zerbombte Museum Fridericianum als Ausstellungsort für die documenta zu nutzen.

Prof. Bode hat Ausstellungsgeschichte gemacht, indem er die Künstlerausstellung documenta von 1955 bis 1968 mit modernem Messedesign vereint hat: Thematisch entstand dabei die d1 als Ruinenkargheit, die d2 als konstruktive Linienfluchten und die d3 als wechselseitige Integration von "Bild und Skulptur im Raum" (A. Bode: documenta Kassel-Essays, S. 81)

Von 1948 bis 1961 lehrte Arnold Bode als Professor für Malerei an der Kasseler Werkakademie. In seiner Arbeit als Architekt und Raumgestalter war Bode durchaus dafür bekannt traditionelle Elemente mit Fortschritt zu verbinden. Beispielhaft dafür ist die Raum-Regie der d3, genauer die Gestaltung drei großer Bilder von Ernst Wilhelm Nay. Bode hängte die Werke schräg hintereinander-gestaffelt an die Decke eines perspektivisch gestalteten Korridors. Dadurch nahm er Bezug zu Traditionellem, erinnerte diese Art der Hängung doch an bemalte Joche von Kirchenschiffen.

Tradition mit moderner Ausstellungstechnik verband Bode auch bei einer Ausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel im Jahre 1965. Die wertvollsten Bilder der Kasseler Gemäldesammlung kehrten damals aus dem Wiener Exil zurück, darunter berühmte Rembrandts. Diese nahm er aus ihren goldenen Rahmen, umgab sie mit hellen Leinenpassepartouts, stellte sie vor farbige Hintergründe bzw. Wände, spielte mit indirektem Licht von oben und Scheinwerfern von der Seite. Der Betrachter konnte sich in Ruhe und konzentriert mit dem Kunstwerk beschäftigen.

Rembrandt war einer der liebsten Meister Arnold Bodes. "Ich erinnere mich genau, dass mir durch unseren Rembrandt, der hier hängt, der Jacobs Segen, den ich als Kind von elf Jahren - bis ich siebzehn war - jeden Samstag gesehen habe; dieses Erlebnis war der Auftakt, warum ich wahrscheinlich Maler oder Macher geworden bin" (ebda, S. 106).

Privat war Arnold Bode ein sehr engagierter, energischer, freundlicher, aufgeschlossener und progressiver Mensch. Harald Szeemann, Ausstellungsleiter der d5 (1972) und ehemals Direktor der Berner Kunsthalle bezeichnet ihn als "liebenswerten, störrischen, weltoffenen, eigensinnigen und verwurzelten Weltbürger aus Kassel" (ebda, S 77).

Manfred Schneckenburger, Leiter der d6 (1977) und der d8 (1987) sagt von ihm: "In ihm steckte ein ewiger Jüngling und eine exemplarische Vaterfigur, ein übersprudelnder Plänespinner und energischer Realist, ein wuseliger Visionär und ein besessener Praktiker des "visuellen Begreifens" von Kunst." (ebda, S. 79) Arnold Bode hasste Stagnation und alles Starre, in der Tat war sein Lieblingswort "weitermachen".
Er hatte ständig neue Ideen: beruflich, aber auch privat, drängte er zur Veränderung - zum Leidwesen seiner Vermieter, denn er verwandelte gemietete Wohnungen total durch Ein- und Umbauten; seine Pläne und Skizzen vom eigenen Haus in der Mulangstraße 7, am Bergpark Wilhelmshöhe, sollten Traum bleiben.

Das im Stil der 50er und 60er Jahren neu aufgebaute Kassel hätte er am liebsten wieder abgerissen und neu gestaltet. Nur Weniges fand seinen Gefallen, meist äußerte er in knappen Kommentaren "Ist nicht gelungen" (A. Bode: Projekte im Raum, Prospekt zur Ausstellung über Arnold Bode. Magistrat der Stadt Kassel, doc.-Archiv, Kassel 1991).

Unermüdlich schuf er Pläne, beteiligte sich an städtebaulichen Wettbewerben, stellte der Stadt seine Konzepte vor und bot seine Hilfe zur Mit- oder Umgestaltung an. Leider hat die Stadt nicht oft auf seine Vorschläge reagiert. Einige seiner Ideen zur Schaffung einer humaneren und ästhetischeren Umwelt wurden wenigstens teilweise, oft aber auch stark verändert, realisiert.

Hier einige seiner Ideen:

-Tieferlegung des Steinwegs (Bode war absolut gegen eine Teilung des Friedrichsplatzes durch die Straße).

-Neuer Bahnhof Wilhelmshöhe mit imposantem Bahnhofsvorplatz,

-Neugestaltung des Friedrichsplatzes (z.B. doppelte Baumreihe Pappeln) inklusive Tiefgarage

-Die documenta urbana am Rand der Dönche. Diese Idee reifte in Bode schon 1947 nach Ende der Zweiten Weltkrieges; sie sollte glücklicherweise, wenn auch stark abgewandelt, zur d7 (1982) am Rand des Truppenübungsplatzes und heutigen Naturschutzgebietes Dönche, realisiert werden.

Das Thema "documenta urbana" wurde hier seitens der Stadt wieder aufgegriffen und durch die Bauherren Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel mbH, Neue Heimat Nordhessen, Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft mbH verwirklicht. So entstanden 85 Mietwohnungen, 17 Eigentumswohnungen und 35 Eigenheime (zusammen 137 Wohneinheiten). Bis auf die 19 Eigenheime wurden alle Wohnungen mit öffentlichen Mitteln gefördert. Es entstanden verschiedene Haustypen, die sich die Heinrich-Schütz-Allee in Form einer Schlange entlangwinden (die Bauzeile nennt sich "Lange Reihe").

Die einzelnen Elemente sind höchstens dreigeschossig in Verbindung mit großzügigen Freiflächen gestaltet. Es entstanden zum einen Etagenwohnungen mit Wintergärten, Dachgärten und zimmergroßen Freiplätzen, zum anderen dicht zusammenstehende Einfamilienhäuser mit geschützten Gartenhöfen. Dadurch verwirklichte man eine niedrige Bebauung mit hoher Dichte, das heißt, mit eng beieinander liegenden Wohneinheiten, um der bis dahin praktizierten bauweise "Hochhäuser mit weiten, nicht genutzten, Grünflächen dazwischen" entgegenzuwirken. Gleichzeitig herrscht kein Ordnungs- und Einheitsstreben seitens der Planer.

Der Betrachter, der an eine gewisse Einheitlichkeit und Ordnung gewöhnt ist, sollte einen "gebauten Angebotskatalog heutiger Architekturmöglichkeiten" (documenta-Idee u. Institution, Pantheon Colleg, Bruckmann KG, München 1983, S. 207) erleben. In einem gelassenen Nebeneinander entstanden verschiedenartige Häuser, die dennoch zusammengehören. Zur d7 (1982) konnte man täglich die documenta urbana innen und außen besichtigen. Bild zeigen.

Arnold Bode hat den Verantwortlichen der documenta die Verwirklichung der Wohnsiedlung immer wieder ans Herz gelegt. Noch im Krankenhaus, kurz vor seinem Tod am 3. Oktober 1977 (einen Tag nach Schließung der d6) diskutierte er voller Leidenschaft über dieses Projekt: Human gestaltete Stadträume, die Wohnen innen und außen möglich machen sollten, die Begegnung und Kommunikation miteinander fördern sollten, die eine Beziehung zwischen Mensch, Raum und Aktion ermöglichen sollten.

Veröffentlicht am:   27. 02. 2008  


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