Der "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor", vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, geht im Jahr 2012 an den Schriftsteller Ulrich Holbein. Der Preis bleibt erstmals in seiner Geschichte in der nordhessischen Region, in der mit Ulrich Holbein einer der originellsten deutschen Schriftsteller beheimatet ist. Am 25. Februar 2012 findet die offizielle Preisverleihung statt.
Begründung des Stiftungsrates:
Der Preis ehrt mit Ulrich Holbein einen "Wolkenkuckuck", "Zuspätromantiker", "Müsli-Mysticus", "Öko-Dandy", "Knüll-Idylliker", "Metachemiker", "Waldbold", "Polysophen" etc., etc. – kurz: eine höchst geistesgegenwärtige Inkarnation des Grotesk-Komischen in Literatur und Leben. Im Spektrum zwischen Bildungszitat und Medienjargon, subtilstem Gedankenspiel und krassem Kalauer entfaltet Holbein eine Poesie assoziativer Freiheit.
Seine Belustigungen unter der Gehirnschale führen bis in die aberwitzigsten Verästelungen der Sprache und des Wissens. Damit verwirklicht der Autor spielend eine ebenso grenzenlose wie radikal selbstbezogene Kunst und eröffnet seinen Lesern eine neue Verzauberung der Welt.
Ulrich Holbein wurde 1953 in Erfurt geboren und lebt im nordhessischen Knüllgebirge. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Kassel, wo er freie Malerei studierte. Bekannt wurde er durch seine Kolumnen in der ZEIT, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung sowie in der Zeitschrift »konkret«.
Holbein ist Autor von 950 Publikationen, davon 24 in Buchform, nebenher sind unzählige Fotomontagen entstanden. Seine Leser lässt er an seiner geradezu beängstigenden Belesenheit teilhaben, deren Zeugnis auch radikale Formen gewinnt wie der komplett aus Zitaten montierte ‚Roman’ "Isis entschleiert" (2000).
Ein Kaleidoskop grotesk-komischer Miniaturen bietet der Kurzprosaband "Januskopfweg. Glossen, Quickes und Grotesken" (2003). Sein "Narratorium" (2008) stellt eine höchst subjektive Art enzyklopädischer Erzählkunst dar, in der auf über tausend Seiten skurrile Figuren aus der Kulturgeschichte der Menschheit porträtiert werden. Hierfür wurde Holbein 2009 mit dem Ben-Witter-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Buch "Bitte umblättern" (2010), das in immer wieder neuen Ansätzen eine poetische und menschliche Elementarfrage umspielt: "wie anfangen?".
Der Schriftsteller Tino Hanekamp aus Hamburg erhält im Jahr 2012 den "Förderpreis Komische Literatur". Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner jungen Autoren verliehen, die auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten. Der Förderpreis wird gemeinsam mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergeben. Die Kasseler Sparkasse hat auch in diesem Jahr die Finanzierung des Förderpreises übernommen.
Tino Hanekamp erhält den Preis für seinen Roman-Erstling "So was von da" uns dessen brillanten Umgang mit dem Komischen. Darin folgte die Jury dem Vorschlag von Hanekamps Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Die Jury bzw. der Stiftungsrat besteht aus der Literaturkritikerin Dr. Ina Hartwig, der Lektorin Dr. Renate Jakobson, dem Schriftsteller Ingomar von Kieseritzky, dem Literaturwissenschaftler Christian Maintz, dem Übersetzer und Vortragskünstler Harry Rowohlt, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Walter Pape und dem Direktor der Literaturwerkstatt Berlin Dr. Thomas Wohlfahrt.
Begründung des Stiftungsrates:
Tino Hanekamp ist mit seinem Roman "So was von da" ein furioses Debüt gelungen. Er entwickelt in rasantem Tempo eine mitreißende Poesie der Feier, der Lebensenergie und des Augenblicks. In einer eigenen musikalischen Sprache und mit perfektem Timing gewährt das Buch einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in Daseinsexperimente, Gefühlswelt und Kultur der jungen Generation. Die treffsichere Komik zeigt sich im Wortwitz und in der Zeichnung von Typen und Situationen; Polemik, Klischees und Peinlichkeit werden elegant in dieser humoristischen Haltung aufgehoben. So ist das Komische hier nicht Selbstzweck, sondern wirkt mit dem Tragischen in einem lebensnahen und menschenfreundlichen Gesamtbild zusammen.
Tino Hanekamp wurde 1979 in Wippra in Sachsen-Anhalt geboren. Er arbeitete jahrelang als Musikjournalist. Nach Lehr- und Wanderjahren landete er in Hamburg. Hier gründete er einen Musikclub namens "Weltbühne", der dann aber abgerissen wurde.
Heute ist er Programmdirektor des von ihm mitbegründeten und -geleiteten "Uebel & Gefährlich", das mehrfach zum besten Musikclub Deutschlands gewählt wurde.
Der Roman "So was von da" erzählt in rasantem Tempo vom letzten Tag eines Hamburger Clubs vor seiner Schließung, vom Kiez und von den jungen Menschen, die die Party und ihr Leben feiern. Udo Lindenberg zu diesem hochmusikalischen Roman: "Das knallt gut los".
Die Preisverleihung für beide Auszeichnungen findet am 25. Februar 2012 im Kasseler Rathaus statt.
Der "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" wurde 1984 der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Schriftstellern zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischen Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet.
Ausgezeichnet wurden seit 1985 unter andern Loriot, Irmtraud Morgner, Hanns Dieter Hüsch, Robert Gernhardt, Ror Wolf, Gerhard Polt, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch und zuletzt Thomas Kapielski.
Seit 2004 wird gleichzeitig der "Förderpreis Komische Literatur" vergeben. Die Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner an junge Autoren verliehen, die auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten. Bislang erhielten den Preis: Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf und Jan Neumann.